SightCity Forum 2026: Aktives Alter(n) mit Sehverlust (F031009)
03.09.2026 33 min
Video zur Episode
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Zusammenfassung & Show Notes
Margaret Reinhardt, Thomas Golke und Emanuel Stadtler aus der DBSV-Fokusgruppe „Sehen im Alter" zeigen, wie aktives Leben mit Sehverlust gelingt: durch Selbstbestimmung, Technik und soziale Netzwerke. Forumsbeitrag der SightCity 2026.
Wie sieht ein gutes Leben im Alter aus, wenn das Sehen nachlässt? Drei Menschen mit sehr unterschiedlichen Biografien geben in diesem Forumsbeitrag der SightCity 2026 ihre Antworten.
Margret Reinhardt war jahrelang Vorsitzende im BFS, ist ausgebildete Blickpunkt-Auge-Beraterin und seit über 35 Jahren in der Sehbehinderten-Selbsthilfe aktiv. Thomas Golke war für PR, Marketing, Forschung und Archiv verantwortlich; seit 2022 hat er noch vier Prozent Restsehfähigkeit und ist heute Podcaster. Emanuel Stadtler war Senior Manager in einem globalen Großkonzern, bis eine erblich bedingte Makuladegeneration ihn zur Aufgabe seines Berufs zwang; später leitete er das Dialoghaus „Dialog im Dunkeln" in Hamburg und ist heute in Selbsthilfe und Lokalpolitik aktiv. Alle drei engagieren sich seit 2023 in der Fokusgruppe „Sehen im Alter" des DBSV.
Ihre drei Thesen:
- Selbstbestimmung ist wichtiger als Sehkraftverlust. Der gravierendere Verlust ist oft nicht die Sehkraft, sondern die Entscheidungshoheit über das eigene Leben. Angehörige und Fachkräfte gehen in ihrem Bemühen zu helfen häufig zu weit – und entmündigen ungewollt.
- Technik schafft Teilhabe. Ältere Menschen lernen über den Nutzen, nicht über den Zwang. Langstocktraining und Apps auf dem Smartphone haben Thomas Golke die Stadt zurückgegeben.
- Soziale Netzwerke schaffen Resilienz. Resilienz ist trainierbar. Vorbilder, Peer-Beratung und die passende Gruppe machen den Unterschied – und wer sich selbst engagiert, entdeckt neue Stärken.
Außerdem geht es um Kultur (Tastführungen, Audiodeskription, Theaterführungen und „Bei Anruf Kultur" mit telefonischen Kulturführungen aus bundesweit über 140 Museen, Gedenkstätten und Galerien) und um Mobilität und Sport (Sturzprävention, inklusives Segeln, Golf, Tennis, Tandem).
Ein zentrales Hindernis bleibt: Das beste inklusive Angebot nützt nichts, wenn man nicht davon erfährt oder nicht hinkommt.
Mehr Informationen: https://sightcity.net/F031009
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Die SightCity ist Europas größte Fachmesse für Blinden- und Sehbehinderten-Hilfsmittel. Mehr Informationen: www.sightcity.net
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Transkript
hallo herzlich willkommen zum Mitschnitt des Forums
vom 27.05.2026
Aktives Altern mit Sehverlust
Referenten Margret Reinhardt Emanuel Stadtler
viel Spaß mit dem Vortrag danke
dann sag ich erstmal herzlich willkommen
zu unserem Vortrag jetzt über Aktives Altern mit Sehverlust
ich freu mich sehr dass wir heute hier die referenten
sein können und ich freu mich auch über die Zuschauer
online und Livestream und was alles dabei ist danke schön
wir sind also heute zu dritt hier
und wie gesagt mein Name ist Margret
Reinhardt zu meiner Person
werd ich gleich noch n bisschen sagen
und und wir drei meine zwei
Begleiter und ich wir engagieren uns seit 2023
bei der Initiative
Sehen im Alter
genauer gesagt gehören wir zu der Fokusgruppe eines Projekts
das sich um die Partizipation
älterer Menschen mit Beeinträchtigung
und das sich damit befasst
inhaltlich geht es dabei
unter anderem um Themen wie Teilhabe
Partizipation Barrierefreiheit
für seheingeschränkte ältere Menschen
es geht aber um Fragen wie wie können wir partizipieren
wo können wir mitmachen
wo können wir mitbestimmen
wo können wir Forderungen auch einbringen
und uns Gehör verschaffen
und Genaues zu diesen Inhalten und was
wir hier gearbeitet haben
können Sie dann beim DBSV beziehungsweise im Internet
auf Sehen im Alter nachlesen
das ist jetzt zu viel
das würde den Rahmen sprengen
oder ich komme noch mal wieder dann erzählen wir davon
aber wir haben schon ne
Menge geschafft ich kann da nur Werbung für machen
und wie gesagt ich komme heute nicht alleine
wir stellen uns gleich noch vor
also mein Name ist Margret Reinhardt ich war jahrelang
im BFS als Vorsitzende aktiv
ich bin ausgebildete Blickpunkt-Auge-Beraterin und berate
ganz viele sehbehinderte ältere Menschen
bin aktiv in der Selbsthilfe vor Ort
und für die ich weiß nicht haben wir blinde Menschen
anwesend ich sag mal ich bin 1,60 groß
relativ stimmgewaltig
auch also manchmal sagt man
man sieht sie noch nicht aber man hört sie schon
und ich habe heute eine helle Hose an und eine rot-weiß
gestreifte Bluse
ja nur dass man sich ne Vorstellung machen kann
und ich habe
graue Haare weil ich zu auch schon zu den Senioren gehöre
Seniorinnen gehöre so
und dann reich ich das Mikrofon zu meinem Kollegen weiter
der sich dann auch kurz vorstellen wird ja mein
selber eins noch ich hab ein eigenes ho ho ho
mein Name ist Thomas Golke in meinem ersten Leben
war ich in einer Organisation tätig ein
mittelständisches Unternehmen oder eine mittelständische
Organisation war da verantwortlich für
PR Marketing Forschung und Archiv
und seit 2022
dann bin ich in meinem zweiten Leben und
hab jetzt nur noch ne Restsehfähigkeit von 4 Prozent
hab dann meine Frau mir die richtige
Hose rausgelegt hat eine schwarze Hose an schwarze Socken
schwarze Schuhe
schwarzes T-Shirt und einen Blazer
und hab auch graue Haare
und bin jetzt in meinem zweiten Leben Podcaster
zusammen mit Emanuel der kommt jetzt gleich nach mir
und wir machen einen Podcast der jeden Monat Themen
für und zum Sehen für
Menschen im höheren Lebensalter berichtet
und jetzt ist der Emanuel dran und ja vielen
vielen vielen Dank ja okay
ich bin Emanuel Stadtler 72 Jahre alt
vier erwachsene Kinder zwei Enkelkinder und ja
auch ich habe sozusagen ein zweigeteiltes Leben bis vor
26 Jahren um konkret zu sein
war ich Senior Manager in einem globalen Großkonzern
ehe sich dann meine Augenerkrankung
manifestiert hat das ist also eine erblich bedingte
Makuladegeneration die dann auch schon im früheren Alter
auftaucht mich dann damals zumindest
zur Aufgabe meiner beruflichen Tätigkeit zwang
seitdem
zunächst als Hausmann dann noch mal als Student
Magisterstudium hab ich mich dann dem Ehrenamt letztlich
zugewandt
und bin seitdem tätig
als
Manager zum Beispiel des
Dialog im Dunkeln in Hamburg
das Dialoghaus ist dort für etliche Jahre
und bin in der Selbsthilfe
tätig und in der Lokalpolitik
wo ich versuche
die Belange von Menschen mit Behinderung
bei uns in der Kommune zu vertreten und
eben auch in der Fokusgruppe
zu vertreten Sehen im Alter des DBSV so gut
dann bin ich dran
ja ah okay ja ha ha ha
ich bin 1,77 groß immer noch
interessanterweise ich dachte ich sei kleiner geworden
bin n untersetzter Typ und habe
schütteres Haar nein ich hab ne Glatze ha ha ha
aber nicht ne
Vollglatze sondern noch einen weißen Haarkranz und
ja bin relativ braun gebrannt weil
ich grad noch beim Segeln war
und komme gleich noch drauf
und trage eine einen
ja aber diese Farbe ich weiß es gar nicht ne
türkis ja türkis türkises Polohemd eine weiße Hose
und ja ja gut
machen wir weiter ha ha okay danke
man versteht die Männer relativ schlecht wie bitte
man versteht die Männer relativ schlecht
ist das so besser wenn man da reinbeißt
ja ups
also ich kann ohne Mikrofon sprechen okay nein
ah okay ja okay
ja ist das so gut
ja ah okay weil ich war immer gewohnt so zu sprechen okay
gut ja ja fangen wir an wir wissen dass wir
vor
im Hinblick auf das Sehen im Alter
vor großen Herausforderungen stehen
die viel beschworene
ja und der demografische
Wandel der dazu führt dass wir immer
mehr ältere Menschen haben
damit haben wir aber auch immer mehr
altersbedingte Augenerkrankungen
und wir wissen dass
dass diese
Formen insbesondere im Alter
zu häufig zur Isolierung zur Einsamkeit
und auch zum Autonomieverlust führen
was wir in der Situation brauchen ist dass wir
und
uns auf unsere Möglichkeiten konzentrieren auf das was wir
was uns zugänglich ist und was wir machen können
und uns aufhören
damit zu beschäftigen was wir alles nicht mehr können ja
und ich da damit nehm ich schon eine zentrale Botschaft
unseres Vortrages vorweg
also lass uns konzentrieren
nicht auf das
was wir nich mehr können vielleicht
sondern das was wir können
und lass uns das aktiv angehen unser Ziel dabei ist es ja und
ein spannendes und bereicherndes Leben
zu führen
mit Sehverlust nicht trotz Sehverlust ganz wichtig
mit Sehverlust
lass uns damit leben danke
und das bringt mich sofort zu unserer ersten These
die wir präsentieren wollen
und das ist bei allen Schwierigkeiten
die unser Sehverlust mit sich bringt
aber was viel gravierender dann noch ist für viele Menschen
ist das ist der Verlust an Selbstbestimmung
und deswegen die These
Selbstbestimmung
ist wichtiger als Sehkraftverlust danke und
was meinen wir damit
es geht schon im kleinen los und
es hat praktisch zwei Zielgruppen
das eine sind die Betroffenen selbst
die sich sozusagen selbst empowern müssen und das und
aber auch die ganzen Fachkräfte
die in und Familienangehörige die in ihrem bemühen
den Betroffenen zu helfen
sehr häufig darüber hinausgehen wir kennen das nur zu gut
und ja und
damit die Betroffenen auch häufig ungewollt entmündigen
und deswegen ist es n Punkt
in dem wir beide brauchen den Betroffenen und den
Betreuer sozusagen und und
die Möglichkeiten und die Anregung geben
selbst sein Leben zu bestimmen das geht ganz klein los
dass ich
den Gang zum Bäcker
den mir meine Tochter gerne abnehmen möchte
und selbst machen möchte und
ja auch wenn es unbequem ist
und wir kennen das sehr gut sind wir alle durchgegangen
dass man natürlich
gerade wenn man mit der Diagnose konfrontiert wurde ja
auch alles gern aus Bequemlichkeit annimmt
was einem vielleicht das Leben
wieder etwas leichter macht
da muss man bisschen gegen den einen
eigenen Schweinehund dann anarbeiten
und sagen ne ich will das machen
also zum Leidwesen um dann
das Beispiel zu bringen meine
Frau beziehungsweise meine Familie bezeichnet mich als
Autarki ja das ist mein Spitzname
weil ich mich bemühe
möglichst viel noch alleine zu machen
auch wenn mir meine Familie immer gerne
die Dinge abnimmt
meine Frau gehörte allerdings nie dazu
die muss als Betreuerin sozusagen damit leben
dass sie häufig im
sozialen Bereich also wenn wir Gäste haben oder so
sich von Gästen anhören muss
sag mal wie behandelst du deinen Mann
der ist doch schwer sehbehindert oder fast blind ja
und dann antwortet sie ne der kann das
selbst das will er auch selbst machen
ja also manchmal gehört auch dann
Mut seitens der Betreuer dazu sich über so n sozialen Druck
hinwegzusetzen
ja ja also noch mal zusammenfassen
Selbstbestimmung ist eine der wichtigsten
und wenn nicht der wichtigste Faktor
um ein aktives Leben
im im Alter mit Sehverlust zu führen so
das bringt mich zum und dazu
zur zweiten These dass wir Technik nutzen wollen ha ha
ist es jetzt besser mit der Stimme ja ja okay
ja unsere These jetzt Nummer zwei ist
Technik Freund oder Feind oder Technik schafft Teilhabe
und ja
wir wissen alle im Alter ist es so dass man sagt mh
das kann ich nicht mehr also grad wenn ich was neues
lernen muss das kann ich nicht mehr meine Finger
gehen nicht mehr so richtig
ich kann nicht mehr richtig gucken das wird immer
immer schlimmer und außerdem
das hat's früher nicht gegeben
warum soll ich das heute lernen und
zum Beispiel am Smartphone
und wir müssen
sozusagen als ältere versuchen und den Weg
der intrinsischen Motivation
also der Motivation um der Sache Willen
n älterer Mensch
lernt nicht für gute
Noten ja das lernen die Kinder die Schüler
vielleicht wenn sie Glück haben
und aber n älterer Mensch der lernt das
nur wenn er n Nutzen
daraus sieht und wir müssen den älteren Menschen den Nutzen
erklären am besten zeigen
müssen ihm sagen dass das funktioniert damit besser
und wir schaffen es auf diese Art und Weise
auch um ein Leben zu führen das
wie Emanuel gesagt hat selbst bestimmt ist
das heißt nicht dass ich alles selbst machen muss
aber es muss selbst bestimmt sein
ich mach mal einfach n paar Beispiele
ich find's zum Beispiel toll
am Anfang 2022
war ich zu Hause da war meine Tagesleistung war
einmal rasieren gehen
und das war's dann ja
und irgendwann hab ich
Langstocktraining gemacht das ist eine Form um sich
zu orientieren und Technik zu nutzen
ist jetzt sehr analog
und ich hab dann
angefangen mir Apps aufs Handy zu laden
und jetzt geh ich halt alleine durch die Stadt
und das ist für mich oder das
das erste Mal war es wie ne Befreiung jetzt ist es normal
aber es war wie ne Befreiung
dass man etwas wieder selbst tun kann ganz von allein ja ja
und solche Art von Beispiele
müssen wir den älteren Menschen geben
damit sie begreifen das oder
nicht begreifen das klingt so n bisschen patriarchalisch
damit sie auch das nachvollziehen können was
was ich erlebt habe oder was andere erlebt haben
wenn du die Technik beherrschst dann
ist es auch da ist sie auch dein Freund dann wird sie auch
dir Teilhabe ermöglichen
ja und dann kommen wir zum nächsten Punkt danke
ja okay ja
ich beschäftige mich mit dem Punkt Kultur
da höre ich grad in der Beratung immer wieder so die
ja das Vorurteil sag ich ganz offen ja
Kultur für Seheingeschränkte für Sehbehinderte und Blinde
was haben die denn davon
wenn die in Museen gehen die können doch keine Bilder sehen
ja das lohnt sich doch gar nich
Gott sei Dank ne leider
haben solche Vorurteile immer noch Bestand und die haben
die grade Vorurteile
im immer haben eine ganz lange Haltbarkeitsdauer
Gott sei Dank ist die Realität inzwischen anders
mit fortschreitender Inklusion
werden auch die Angebote für seheingeschränkte Menschen
immer mehr
da hat sich wirklich ne Tür in den letzten Jahrzehnten
für uns geöffnet
es gibt also inklusive Museumsbesuche es gibt Tastführungen
wir haben Hörbücher
so bleibt uns das Lesen
auch wieder möglich Lesen mit den Ohren ich sage
so es gibt Audiodeskription
es gibt Theaterführungen man kann vorher
hat das Angebot vorher die Kostüme zu ertasten
also die Angebote
sind sehr sehr
zahlreich und die sollten auch angenommen werden
ja aber was das große Hindernis ist das ist
wie komme ich zu solchen Angeboten hin
ja es ist die Sache ich finde es ist schön ich
wie erfahre ich als seheingeschränkter
älterer Mensch davon
wenn ich vielleicht nicht so technikaffin bin und in
entsprechenden WhatsApp
Gruppen Mitglied bin ja wie komme
ich an die Informationen und wie gelange ich zu den Orten
wo mir das angeboten wird
was nützt mir die tollste inklusive Veranstaltung
wenn ich keine Möglichkeit habe oder keine Begleitung dahin
ja das wird leider ganz oft nicht
mitbedacht und da liegt der Hase im Pfeffer ja
da werden wir wieder wird die Tür wieder zugemacht
und wir werden ausgeschlossen
ein tolles Angebot
was auch zu mir ins Wohnzimmer kommt und wo ich wie
ein riesen Fan von bin
ist das Angebot Bei Anruf Kultur
da gibt es telefonische Kulturführungen
aus bundesweit über 140 Museen Gedenkstätten Galerien
und weiteren Kulturorten
das ist Klasse
da kann ich mir die entsprechenden Programme
runterladen kann schauen wann was angeboten wird
der Zugang ist wirklich niederschwellig und einfach
und Kultur kommt zu mir nach Hause
ja ein tolles Angebot da möchte ich wirklich gerne hier mal
ein bisschen Werbung für machen
so wir sollten also wirklich überlegen und auch fordern
das wär auch so n Beispiel
so n Bereich wo sich die Fokusgruppe mit für einsetzt
dass uns die Türen hierfür zu
Kulturangeboten nicht wieder
verschlossen werden weil wir sie nicht erreichen können
das halt ich für Kultur gehört mit zum Leben
gehört mit zum Menschen
und dort sollte
weder gespart noch Behinderte ausgeschlossen werden
ja
zum Leben gehört auch
Mobilität Bewegung Sport aber um zunächst mal ganz
also basic anzufangen
Bewegung schafft erstmal Sicherheit ja ja und
dabei haben wir im Blick jetzt nicht dass jeder
n Sportler werden sollte muss oder wie auch immer
und ohnehin
sind das hier nur als sind das nur Anregungen und nicht
irgendwie ein Vorschlag was man machen sollte
sondern nur aus unserer Erfahrungspunkte die wir für
wichtig halten
und da geht es los
eben mit einem Training
und dass einem die ersten Schritte wieder
selbständig ermöglicht
dazu gehört auch dass man
seinen Hintern hochkriegt und einfach losgeht
und sein
irgendwie in ner ner Langstockrunde um seinen Wohn Ort
macht ausprobiert dass man den Weg
zum Einzelhändler
mal selbständig versucht hinzukriegen
und ähnliches mehr genauso wie die wie die Sturzprävention
aber
deswegen es tut auch für
Leib und Seele gut und schafft soziale Kontakte
und
und diese verbesserte Mobilität führt dann auch dazu
dass ich
sportliche Dinge machen kann
und und es es gibt inzwischen so viel aber das gleiche
was für die Kultur gilt gilt da auch für n Sport
oder Bewegung
man muss sie halt suchen es wird 1 nicht hier
insbesondere hier in Deutschland
nicht an einen herangetragen
man muss sie suchen also
ich erwähnte schon ich war letzte Woche beim Segeln
Segeln
und das hat nicht nur mit viel Geld zu tun
es gibt inzwischen
in Deutschland so viele inklusive Segelangebote
dass für jemand der da ne Beziehung sich vorstellen kann
ich das nur anempfehlen kann das mal auszuprobieren
weil auf so nem Boot geht es immer um Teamarbeit
jeder hat seine Rolle
und es gibt immer auch eine Rolle für einen
mehr oder weniger stark sehbehinderten danke und
wichtig in dem Zusammenhang ist es einfach mal auszuprobieren
selbst wenn man sich das zunächst nich vorstellen kann
ja ja es gibt noch ne andere Geschichte
jetzt erwähne ich die auch doch in diesem Zusammenhang
ich hatte n Freund der n begeisterter
Golfspieler war
und der zu mir eines Tages sagte
warum fängst du nicht mal an Golf zu spielen ja
und dann sag ich spinnst du du weißt doch
dass ich fast blind bin und so n kleinen Ball
und dann sagte der probier's einfach mal
dann hab ich's probiert
und und das funktionierte
ja ich wär aus mir aus mir wird nie n Tiger Woods
aber
es is wieder ne Sportart
die ich zusammen mit meiner Frau machen konnte oder kann
was in vielen anderen Dingen
wie Tennis oder so in der Form nich möglich is aber Tennis
auch dort gibt es inzwischen
Möglichkeiten für seheingeschränkte und blinde Menschen
grade in Köln
so n Center
ja um mal sich mit Tennis zu beschäftigen
dann die Möglichkeit
sich mit m Tandem auseinanderzusetzen um wieder rauszukommen
ja natürlich manchmal ist das nicht so einfach
ich mit meinen fast zwei Zentnern
muss hinten sitzen und meine Frau mit ihren 60 Kilo
muss vorne sitzen was nicht ganz so ideal ist beim Tandem
aber es funktioniert
und man kann wieder Dinge gemeinsam machen und rausgehen
und die Welt erkunden ja
ja ich kann mich nicht mehr auf mein
Motorrad setzen
und aber damit
beschäftige ich
mich nicht mehr und das ist finde ich ganz wichtig auch
hier noch mal zu betonen dass man sich da
nicht mehr mit den Möglichkeiten die man nicht mehr hat
auch nicht beschäftigen sollte
sondern nur noch mit den Möglichkeiten
die man hat und das gleiche
gilt eben auch hier für die für den Sport und die Bewegung
danke
hallo ich
ich komm dann mal zur nächsten These das ist richtig
okay ich nehm das mal auf was du sagst
dass man nicht das
schauen sollt also nicht auf das schauen soll
was man nicht mehr kann sondern
auf das schauen und was man kann oder was man vielleicht
neu lernt neu erfährt und
ja wir haben das in die These zusammengefasst dass
soziale Netzwerke
Resilienz schaffen was ist Resilienz
Resilienz könnte man sagen ist so ne Art Modewort
und es wird ja auch in
auch in der Politik jetzt häufig benutzt
und und wir verstehen es nicht so als
als etwas dass man
sich selbst optimieren muss um jeden Preis
sondern es geht darum dass man
Widerstandsfähigkeiten entwickelt
und das ist halt ne Frage von Training ist nicht angeboren
es ist etwas dass man pflegen muss man muss es
entwickeln und was kann man da
sozusagen für finden für
für Teile in dieser Resilienz die einem
ermöglichen resilienter zu werden ja ja und
für mich ist da der eine Punkt dass man eben versucht
auf das Halbvolle zu schauen
nicht rückwärts immer in dem Moment wo ich rückwärts schaue
und hab ich immer persönlich so n Stich in mir
denk mir immer mh geht nich
aber wenn ich nach vorne schaue
und wenn ich mich zum Beispiel darauf freue
dass ich mit Emanuel zusammen n neuen Podcast mache
dann hab ich so ne so ne richtige Vorfreude ich mag so ne
ne Power in mir und ja
man muss auch gucken
wo man reinpasst ich hab auch versucht in andere
Gruppen also wenn man jetzt soziale Netzwerke betrachtet
gibt's ja Angebote auf der regionalen Ebene
bei uns in Kreuzberg in Berlin gibt's das Lokal
da war ich und das war einfach nicht
das war nicht meine Leute
also mit denen konnt ich nichts anfangen
ich hab jetzt diese Gruppe sehen im Alter
ich find die fantastisch
sind total tolle Leute die engagiert sind
und da fühl ich
pass ich rein und da gewinn ich auch ganz selbst als Person
ganz viel stärker also
und ne andere Sache ist dass man
sich auch n bisschen verabschieden muss von von dem
dass man so
dieses Rückwärtsgewandte als wie so n Klotz am Bein hat
sondern ja dieses Öffnen dieses Türen
Öffnen du hast doch
kurz schon von mir gesprochen das Öffnen der Türen
und dann noch durchgehen
ich hab da so n Beispiel
meine Frau wir haben heute Hochzeitstag
und wir hatten
45. Hochzeitstag und meine Frau wollte gerne
dass wir ne ne Reise machen
und da hab ich gedacht oh Gott oh Gott
ja ich sitze auf so nem Boot und da kann eh nix sehen
ja das wird schon ganz ganz gruselig werden ne
das war eine der tollsten Reisen die wir zusammen gemacht
haben und ja
und da gab's zwei Elemente das eine ist dass das Element
also vom sozialen her das Element Familie also eben
dass meine Frau dabei war und mir das sozusagen
weitestgehend mit ermöglicht hat
und das andere war ich hatte in meinem Arbeitsleben
einen Kollegen
der war blind
und der ist immer mit seiner Frau gefahren
und da hab ich gedacht Mensch was der kann
das kann ich auch
also diese Vorbilder machen auch ganz viel aus ja
und mit anderen Worten
man muss
sozusagen seine Fähigkeit zur Resilienz
pflegen trainieren man muss seine sozialen Netzwerke
Netzwerke pflegen und aufrechterhalten
aber wenn man das hat
dann wird man ein neuer Mensch man ist nicht der alte
man wird ein neuer Mensch
aber ich verdanke ganz ganz vielen Menschen auf dem Weg
dahin dass ich jetzt eine Person in meinem zweiten Leben bin
die vorher auseinandergefallen ist und und
das verdank ich ganz vielen Leuten
die auf diesem Weg mir
Unterstützung gegeben haben ich sag noch ein Beispiel
ich hab ganz viele Beispiele
im Kopf aber ich will dir eins erzählen was n bisschen
schräg war wir hatten früher ne
Mitarbeiterin die ist dann erblindet und
und hat uns dann
obwohl wir sie
versucht haben zu halten ist
noch ne Weile bei uns geblieben ist dann weggegangen
und hat ne Peer-Counselling-Ausbildung gemacht
und dieser Frau saß ich irgendwann gegenüber als ihr Peer
ja und es war ganz komisch also ne Mitarbeiterin plötzlich
als die leitende Figur zu erleben
aber es war für mich auch gleichzeitig n total
höheres Erlebnis weil ich mich auf die verlassen konnte
weil ich wusste die hat das was ich erlebt habe durchlebt
und die konnte mir Dinge erzählen
und und zum Beispiel das mit dem auseinanderfallen
und dann zu mir zu sagen
viele kleine Schritte Schritte lange Zeit
gib dir Zeit Thomas
und ja und ich hab gedacht
wenn ich Ostern erlebe bin ich froh ja und
ja und sie hat gesagt
du brauchst zwei Jahre und die Frau hatte recht nach zwei Jahren
war ich wieder in der Lage einigermaßen zu funktionieren
und wieder mit neuem Lebensmut
in den zweiten Teil meines Lebens zu schauen ja ja also
wir soziale Netzwerke sind extrem hilfreich
und man muss versuchen sie zu schaffen und zu pflegen ja
ja das ist wieder mein Stichwort soziale Netzwerke
soziale Netzwerke in denen mich auch
ich mich auch selber engagieren kann
nach dem Motto es gibt nichts Gutes außer man tut es ja
viele von Ihnen die hier sitzen engagieren sich inzwischen
die engagieren sich im Sportverein oder in der Politik
im Schützenverein je nach dem Turnverein
je nachdem wo er gerne möchte
wenn ich sehbehindert werde
hab ich keine Zeit
und verschwende
keinen Gedanken daran
dass ich mich noch irgendwo engagieren könnte
ich hab mit Verlustängsten zu kämpfen ich muss
erst wieder sehen dass ich mein Leben
in den Griff bekomme
ich muss Blindengeld beantragen eventuell
mit Schwerbehindertenausweis
ich muss alles neu organisieren
so aber wenn ich gefestigt bin kann ich auch mal schauen
was bleibt was könnte ich denn noch
wo könnte ich noch hilfreich sein
und aus meiner eigenen Erfahrung
ich habe mir Unterstützung und Hilfe
bei Gleichbetroffenen
gesucht in der Sehbehinderten-Selbsthilfe in der örtlichen
und dort hab ich so viel Unterstützung bekommen
dass ich nach einiger Zeit gesagt
hab als es mir psychisch wieder besser ging
und ich meine Behinderung akzeptiert hab
ich möchte gerne etwas zurückgeben
von dem
von der Freude
von der Unterstützung
von der Hilfe die ich persönlich erfahren habe
das war mein Startpunkt dass ich mich seit über
35 Jahren in der Sehbehinderten-Selbsthilfe
engagiere in unterschiedlichen Bereichen
also ne Möglichkeit gibt's immer
man müsste schauen wo man sich engagieren kann
man schaut was kann ich wo liegen meine Stärken wo
was möchte ich machen
das muss nicht immer n
Amt sein was man übernimmt man kann auch mit kleinen Dingen
hilfreich sein
hilfreich wär es auch wenn man jemand
zur Seite gestellt bekommt der einen so einführt der einen
zeigt was man machen kann
Unterstützung bei Fragen weiterhilft bei Problemen
da ist der Einstieg
leichter und dann ist der Berg nicht so hoch
und auf der anderen Seite
entdeckt man an sich ganz neue Möglichkeiten
neue Stärken von denen man nie gedacht hätte
dass man sie hat neue Talente
ja ich habe beim BFS e. V.
mindestens 20 Jahre
ne eigene Zeitschrift mit rausgegeben
das hätte ich mir
in meinem ersten Leben nie vorstellen können
also da gibt's immer ne Möglichkeit und
der Tag ist strukturiert wenn man jetzt als
aus dem Berufsleben in dieses Rentnerdasein kommt
man kann hat wieder ne Möglichkeit sich zu engagieren
tätig zu sein für die Gesellschaft was wir dringend
brauchen das wird in den nächsten Jahren noch viel viel
nötiger sein dass sich Leute engagieren
und wenn man in das Rentner
dasein eintritt ist das eine gute Möglichkeit
sich weiter weiter aktiv zu sein am Leben teilzunehmen
und sich nicht zu
isolieren aufgrund der Sehbehinderung ja
ja im Endeffekt kann ich nur sagen
machen Sie den ersten Schritt versuchen Sie's
Sie werden auch für sich viel davon mitnehmen absolut
also wie gesagt es gibt nichts Gutes außer man tut es danke
das war jetzt
ja
das war jetzt glaub ich ist es das
ich wollte nur zusammenfassen
zusammenfassend noch mal unsere Kernbotschaft
im Hinblick darauf was
Lebensqualität
bedeutet das bedeutet im Alter mit Sehverlust
und wir halten diese drei Faktoren für eminent wichtig
das ist einmal
die Selbstbestimmung
und komm raus aus deinem Haus aus deinem Schneckenhaus
und mach was für dich
mach was für andere und
dann natürlich das ganze Thema Teilhabe
macht euch die Technik untertan
um Teilhabe zu haben
an der politischen Willensbildung
der eigenen Stadt und Gemeinde und so weiter
und last but not least
Sinnorientierung
in der Kultur
mit sinnlichen schönen Dingen sich zu beschäftigen
ist immer eine bereichernde Geschichte
oder anders ausgedrückt
zum Abschluss
schlecht sehen aber stark leben
hallo wir hoffen der Vortrag hat Ihnen gefallen
mehr Informationen finden Sie unter
sightcity.net/F031009
vielen Dank und bis zur nächsten SightCity