SightCity Forum 2026: CVI verstehen: Visuelle cerebrale Wahrnehmungsstörungen augenärztlich und orthoptisch abklären
28.09.2026 28 min
Video zur Episode
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Zusammenfassung & Show Notes
Ein normaler Sehtest reicht nicht aus, um cerebrale visuelle Wahrnehmungsstörungen (CVI) zu erkennen. Dr. med. Bettina von Livonius von der LMU-Augenklinik München erklärt, welche elementaren und komplexen Sehfunktionen zum Sehen gehören und warum Anamnese, Weittropfung und MRT in der Diagnostik so wichtig sind. Orthoptistin Daniela Osterholt zeigt anschließend, welche orthoptischen Untersuchungen in Augenarztpraxis und Sehschule durchgeführt werden sollten – und was davon im Praxisalltag realistisch möglich ist. Aufgenommen im Forum der SightCity am 28.05.2026.
**Begrüßung und Einordnung (00:00:00)** Anmoderation des Forumsbeitrags mit Titel, Datum und den beiden Referentinnen. **Grundlagen: elementare Sehfunktionen (00:00:27)** Bettina von Livonius stellt sich vor: seit 25 Jahren Ärztin an der LMU-Augenklinik München, seit 17 Jahren Leiterin der Sehbehindertenambulanz, Mitautorin der CVI-Leitlinie. Sie macht deutlich, wie unbekannt CVI unter Augenärzten noch ist, und zählt auf, was alles zu den elementaren Sehfunktionen gehört: Naheinstellung, Gesichtsfeld, Kontrastsehen, Farbensehen, visuelle Adaptation, beidäugiges Sehen und Stereopsis, Okulomotorik und Bewegungssehen. Beim Augenarzt geprüft wird davon meist nur der Fernvisus, manchmal das Gesichtsfeld – weshalb die Orthoptik so wichtig ist. **Komplexe Sehfunktionen im Überblick (00:04:01)** Über die elementaren Funktionen hinaus braucht Sehen visuelle Aufmerksamkeit und Exploration, Formerkennung und Formkonstanz, das Erkennen abstrakter Figuren wie Buchstaben und Zahlen, Objekterkennung und Objektkonstanz, Gesichter- und Mimikerkennung, visuelles Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis, visuell räumlich perzeptive, konstruktive und topografische Wahrnehmung sowie Grafomotorik. Erst wenn alles zusammenspielt, sieht man tatsächlich unauffällig. **Beispiel: Wie ein Kind sein Kuscheltier sucht (00:06:52)** Ein Alltagsbeispiel macht die Komplexität greifbar: Das Kind muss wissen, wie das Kuscheltier aussieht, es wiedererkennen, sich einen Überblick verschaffen, den Reiz aus vielen Störreizen herausfiltern, ausdauernd suchen, sich nicht ablenken lassen und sich merken, wo es schon gesucht hat. Am Ende steht das Erfolgserlebnis – und damit die Motivation, es beim nächsten Mal wieder zu versuchen. **Das Auge als Organ und die Sehbahn (00:08:50)** Die augenärztliche Untersuchung geht von den Lidern über Hornhaut, Vorderkammer, Pupille, Linse und Glaskörper bis zu Netzhaut und Sehnervenkopf. Weiter hinten endet der Blick des Augenarztes: Die Sehbahn bis zum Sehzentrum am Hinterkopf ist nicht einsehbar. Anhand der Wo-Bahn, der Was-Bahn und des Frontalhirns wird erklärt, wo die visuelle Weiterverarbeitung stattfindet und was eine Wahrnehmungsstörung bedeutet – bis hin zur Agnosie. **CVI: Definitionen und Begleiterkrankungen (00:11:19)** Es gibt keine einheitliche Definition von CVI; verschiedene Gruppen sprechen von Cerebral Visual Impairment, von cerebraler visueller Informationsverarbeitungsstörung oder von zentraler Sehstörung. Erschwerend kommt hinzu, dass CVI selten isoliert auftritt: okulare Sehstörungen, Optikusatrophie, Dyslexie und Dyskalkulie, neurologische Erkrankungen und Hirntumore, Mehrfachbeeinträchtigungen, ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen, Gendefekte und Syndrome können dazukommen. CVI kann aber auch völlig isoliert und auch bei Erwachsenen auftreten. **Anamnese, MRT und interdisziplinäre Zusammenarbeit (00:13:19)** Die meisten CVI-Fälle findet Bettina von Livonius über die Anamnese: Augenerkrankungen, Schwangerschaft und Geburt, Hirnschädigungen, Entwicklung, Auffälligkeiten in Kita und Schule, Orientierung, Spielverhalten, Verhalten bei Dämmerung, Vergleich von Hören und Sehen. Sie erklärt, warum Weittropfen keine Schwäche, sondern Gründlichkeit ist, und warum ein MRT nötig ist, um Veränderungen in der nicht einsehbaren Sehbahn auszuschließen. Am Ende steht der Appell zur interdisziplinären Arbeit von Augenärzten, Orthoptisten, Pädiatern, Neurologen, Neuropsychologen, Pädagogen, Ergotherapeuten, Selbsthilfegruppen und Familien. **Orthoptische Untersuchungen in der Praxis (00:18:12)** Daniela Osterholt geht die orthoptische Untersuchungsreihe durch: ausführliche Anamnese, Refraktionsbestimmung zunächst in Miosis und zur genauen Bestimmung in Weittropfung, Prüfung des Binokularsehens mit Lang-, Titmus- und Bagolini-Test, Augenstellung über Hornhautreflexbilder und Cover-Test, Visusprüfung mono- und binokular als Einzel- und Reihenvisus, Kontrastsehen, Visustests wie Lea-Test, E-Haken und C-Test mit Landoltringen, Motilität, Akkommodation, Sakkaden und Folgebewegungen, Farbsehen mit Ishihara und Farnsworth sowie Gesichtsfeldprüfung mit elektronischen Perimetern und dem Goldmann-Perimeter. Sie sagt offen, welche Tests sie in der Praxis gar nicht zur Verfügung hat. **Vergrößerungsbedarf, Wahrnehmungstests und Anlaufstellen (00:25:07)** Vergrößerungsbedarf und Lesegeschwindigkeit lassen sich in fünf Minuten Praxiszeit nicht bestimmen – das passiert an den Förderschulen. Dazu kommen Tests zur visuellen Wahrnehmung wie Insight und FEW, die als IGeL-Leistung denkbar, aber keine Kassenleistung sind. Zum Abschluss der Hinweis auf die Praxensuche unter www.orthoptik.de, über die Eltern nach Wohnort oder Postleitzahl Augenarztpraxen mit Orthoptistin finden – auch solche mit Schwerpunkt Lern- und Entwicklungsstörungen.
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Transkript
Herzlich willkommen zum
Mitschnitt des Forums vom 28.05.2026
Visuelle cerebrale Wahrnehmungsstörungen (CVI) -
augenärztlich und orthoptisch abklären
Referentinnen: Dr. med. Bettina von Livonius und Daniela Osterholt. Viel Spaß mit dem Vortrag
danke
hallo ja einen wunderschönen Mittag guten Nachmittag
bisschen unbekannt bei Augenärzten ich würde sagen
das ist sehr unbekannt dieses Thema bei Augenärzten
ich selber bin
durch Zufälle nur dazu gekommen
weil ich die Leitlinie mitschreiben durfte
und wir versuchen jetzt tatsächlich in München an der
Uniklinik eine CVI-Ambulanz das
ist nicht ganz richtig
weil wir das einfach
eingegliedert in unsere Sehbehindertenambulanz
anbieten wollen Diagnostik
zu mir selber ich bin seit 25 Jahren Ärztin an der
LMU-Augenklinik in München
leite seit 17 Jahren die Sehbehindertenambulanz
und hab so n paar Steckenpferde nebenher wie die
den Sehbehindertensport
und eben jetzt auch das CVI dazu bekommen
finde es ein ganz spannendes Thema
und versuche das
n bisschen mehr in die Augenärzteschaft
hinein zu bekommen
für mich ist es jetzt schwierig in 12 Minuten
Ihnen einen
augenärztlichen Überblick über CVI zu bekommen
also bitte erwarten Sie nicht dass es voll
umfänglich ist und ich weiß dass hier alte Hasen
dabei sind sowie welche
die CVI noch gar nicht so richtig gehört haben also
bitte bitte ich versuche es für alle
verständlich oder auch bereichernd zu machen
einmal
jede Wahrnehmungsleistung besteht aus elementaren
Sehfunktionen und aus komplexen Sehfunktionen
das muss man einfach einmal wissen und ja
denn wir als Augenärzte
kümmern uns eigentlich
nur in Anführungsstrichen um die elementaren
Sehfunktion das was überall
geprüft wird ist die Sehschärfe für die Ferne
wenn Sie Glück haben prüft auch noch jemand die
Sehschärfe für die Nähe
aber was gehört zum Sehen noch dazu
es ist einmal die Naheinstellung und
das heißt die
Brechkrafterhöhung der Augenlinse für das Sehen
in der Nähe muss funktionieren
damit ich überhaupt in der Nähe lesen kann
es gehört noch n Gesichtsfeld dazu das
wiederum kennen die Augenärzte ganz gut also das
ermöglicht das Entdecken und Lokalisieren von Reizen
wir brauchen ein Kontrastsehen
das heißt das Sehen
und Unterscheidung von Helligkeitsdifferenzen
n Farbensehen wäre sehr schön die visuelle Adaptation
ist sehr wichtig das heißt
Einstellung auf verschiedene Umgebungshelligkeiten
ein beidäugiges Sehen
Positions- und Entfernungswahrnehmung die Stereopsis
brauchen wir die Okulomotorik
das heißt die Augenbewegung in alle
Blickrichtungen und ne stabile Fixation
und ein Bewegungssehen
das heißt das Erkennen von Bewegungen aufgrund
retinaler Bildverschiebung und Reaktionen auf bewegte
Objekte mit Folgebewegung und Sakkaden
und erst wenn Sie das alles haben
und dann können Sie
normal
in Anführungsstrichen sehen weil die komplexen
Sehfunktionen ausgeklammert
aber das muss alles funktionieren und jetzt müssen Sie
mal schauen was wird beim Augenarzt geprüft
der Fernvisus
und manchmal das Gesichtsfeld bei
bestimmten Fragestellungen
und deswegen bin ich so froh dass ich auch Sie
Frau Osterholt dabei hab als Orthoptistin
die nämlich viele von den anderen Funktionen
auch prüfen und quasi
uns da viel Informationen geben
und in eine Ambulanz wo ne
Orthoptistin dabei ist oder ne Sehschule
wird natürlich
sehr viel mehr geprüft als nur beim Augenarzt
so jetzt haben wir die elementaren Sehfunktion
die sollten natürlich alle funktionieren
aber wir haben noch komplexe Sehfunktion
und das hier sind jetzt 2 Folien die ich mit denen
mit Ihnen durchgehe
das ist einmal die visuelle Aufmerksamkeit
die Exploration die Suche das heißt Fähigkeiten
einen einzelnen Reiz unter Störreizen herauszufiltern
ne Formerkennung die Fähigkeit eine Form
auch bei veränderten Faktoren als gleiche Form
wiederzuerkennen das ist die Formkonstanz
Tennisball ist genauso ein Ball wie ein Fußball
wir
Erkennen abstrakter Figuren
wenn man sich das mal überlegt
wie komplex das ist
dass wir einfach gelernt haben was
Buchstaben sind was Zahlen sind worum
wir uns ja überhaupt gar keine Gedanken mehr machen
aber dass man das
überhaupt erfassen kann und auch
die Worte als Ganzes erfassen kann wobei das
ja nur abstrakte Buchstaben eigentlich sind
die Objekterkennung dass ich etwas als
die Wasserflasche erkenne
und auch die Objektkonstanz
das ist dass ich mir auch wenn die Wasserflasche
weg wäre und Sie sie
nicht sehen würden ich immer noch weiß
wie eine Wasserflasche aussieht danke
Gesichter- und Mimikerkennung
ist extrem wichtig in unserer sozialen
Umwelt ich bin ja froh dass ich ein
Publikum vor mir sitzen hab und so die Reaktionen
sehen kann
ist da Aufmerksamkeit oder
sind alle schon weggedriftet
sind Fragen gezeichnet in den Gesichtern also
alles was man mit Online-
Vorträgen ja nicht mehr hat ja weil einem
das Gegenüber fehlt
also das muss ich erkennen und muss ich auch deuten
können
ja und
dann das visuelle Gedächtnis das is n Kurzzeit- und ein
Arbeitsgedächtnis was ich haben können muss
und dann brauch ich aber auch noch eine visuell
räumlich perzeptive
Wahrnehmung tolles
Wort also is einfach dass man Distanzen
oder Positionen wahrnehmen kann und eine
visuell räumlich konstruktive
Wahrnehmung das brauch ich um einfach aus Bauklötzen
aus Legobausteinen oder
auch dann komplexer was zu konstruieren
die visuell räumlich topografische Wahrnehmung
das sind neue Wege einprägen CVI ich sag
Ihnen nur die alten Hasen ein Kind dass es den zum 100.
Mal nicht den Schulweg
findet obwohl der doch so einfach
ist das sind Wege die man sich einprägen muss
wie so Grafomotorik das ist die Auge-
Handkoordination die funktionieren muss
und erst wenn Sie das alles
die elementaren
Sehfunktionen in Ordnung sind und die komplexen
Sehfunktionen
dann sehen Sie ganz normal
und haben keine Probleme danke ja aber wie gesagt
getestet ist nur der Visus
ich möchte Ihnen mal ein
Beispiel für die Komplexität der visuellen Wahrnehmung
zeigen was passiert denn wenn ein Kind
sein Lieblingskuscheltier
verlegt hat und es suchen will ja
es muss zuerst mal wissen wie es aussieht wenn ich
nicht weiß wie was aussieht kann ich's nicht finden ja
und es muss es dann auch wiedererkennen
das ist das visuelle Gedächtnis
da können Sie natürlich auch sagen ne
Objekterkennung ne Objektkonstanz gehört auch dazu
und es muss sich einen Überblick verschaffen können
die visuelle Wahrnehmung die räumliche Aufmerksamkeit
ich muss überhaupt wissen
wo kann ich jetzt was suchen und
ich muss es herausfiltern
können aus vielen vielen anderen Reizen danke
und es wird danach nach bestimmten optischen
Reizen gehen das ist die Objekterkennung und Ausschau
halten und dann muss es natürlich auch ne
Konzentration
haben um lang genug
danach zu suchen und nicht
abgelenkt zu werden das ist die Daueraufmerksamkeit
oder auch die Ausdauer genannt
es darf sich auch nicht von anderen
interessanten Spielsachen ablenken lassen
ist die Aufmerksamkeitskontrolle geht
mir permanent
so wenn ich in meine
E-Mails gehe und ich wollte was nachschauen
und falle über 10.000 andere E-Mails
habe am Schluss vergessen
die erste E-Mail zu machen ja also es geht auch in andere
Lebensbereichen
und dann sollte
sich aber auch merken können wo es bereits gesucht hat
das wär ja blöd ja wenns
noch mal alles durchsucht wo es ja grad schon war
also das visuelle Arbeitsgedächtnis muss funktionieren
und hat dann das Kind
sein Kuscheltier entdeckt und erkannt
dann ist es ein visuelles Wiedererkennen
und es wird sich dann freuen dass die Versuche
die Suche
erfolgreich war das heißt ich hab die Emotion
dabei das heißt ich
nächstes Mal wenn ich was verlegt hab
suche ich es vielleicht wieder weil ich dann
Erfolgserlebnis hab wenn Sie Sachen 10.000 Mal
nicht gefunden haben dann
suchen Sie auch nicht mehr danach
haben Sie keine Lust mehr
so nur dazu um mal zu zeigen wie komplex
Sehen an sich ist
jetzt wieder zurück zu uns Augenärzten es ist natürlich
essenziell dass Sie
das ganze Auge als Organ untersuchen müssen
ja und zwar das Auge
von vorne bis ja
von vorne von der Hornhaut
her also es muss ja schon mal die Lider offen sein
das gibt's ja auch andere Erkrankung wo's Lid hängt
die Hornhaut muss klar sein
ich muss ne
klare Vorderkammer haben die Pupille
muss funktionieren ich muss mir die Linse anschauen
ich muss mir den Glaskörperraum der muss frei sein
und dann hab ich hier hinten die Netzhaut mit ihren
Stäbchen und Zapfen die funktionieren muss und den
Sehnerv und das was ich als Augenarzt
sehe ist tatsächlich alles bis hin zum Sehnerven-
kopf den Sehnerv kann ich mir nicht anschauen
und dann geht es von dem
Sehnerv dann noch letztlich weiter ins Gehirn
über die Sehstrahlung
bis hier hinten zum Hinterkopf und das Bild
entsteht erst hier hinten
und das muss alles frei sein
und funktionieren das war die elementaren
Sehfunktion die das betrifft eigentlich
dann gibt es aber noch die Weiterverarbeitung im Gehirn
und das sind wir dann hier hinten
haben wir gesagt das ist das Sehzentrum und
das müssen Sie jetzt gar nicht alles lernen die ganzen
Nummern aber ich möchte Ihnen dieses Bild zeigen
das finde ich nämlich ganz schön
es gibt diese Bahn die heißt die Wo-
Bahn das ist die Repräsentation des visuellen Raums
wo etwas sich befindet und hier
ne die Was-Bahn
das heißt die
Formerkennung
die Farbenerkennung
die Erkennung von Objekten und Gesichtern
und dann hab ich noch das
Frontalhirn das ist wirklich hier vorne hinter der
Stirn
und das gibt den Befehl worauf die Augen ihren Fokus
legen sollen
ja also was ist ne visuelle Wahrnehmungsstörung
das ist letztendlich eine Fehlfunktion
in der Wahrnehmung
und dann in dieser zentralen
Verarbeitung und Speicherung
visueller Informationen im Gehirn ja
es nützt Ihnen nichts wenn alles
von vorne bis zum Okziput funktioniert
wenn Sie dann nicht die Weiterverarbeitung haben
Sie müssen diese
Wo- und die Was-Bahn muss funktionieren
also in der Neurologie gibt's die Agnosie das heißt
ich sehe etwas ganz klar
und kann Ihnen nicht sagen was das ist
weil die Weiterverarbeitung das nicht hergibt danke
es gibt keine richtige Definition von CVI
also andersrum es gibt verschiedene Gruppen die das
unterschiedlich definieren also
wenn wir von CVI
mal hören dann kann das Cerebral Visual Impairment
heißen oder cerebrale visuelle
Informationsverarbeitungsstörung
andere nennens
cerebrale oder zentrale visuelle
Wahrnehmungs- und/oder Verarbeitungsstörung
andere nennens cerebrale zentrale Sehstörung
wir nennen es jetzt einfach mal CVI abgekürzt
und ich glaub das sind wir jetzt hier auf einem Nenner
schwierig für uns Augenärzte ist dass eine visuelle
Wahrnehmungsstörung
nicht isoliert auftritt
sondern es kann zusammen
auftreten mit okular bedingten Sehstörungen
jeglicher Art da kann ich Ihnen
jetzt die ganze
Augenheilkunde runterpredigen mach ich nich
es gibt die
Augenerkrankung sowas wie ne Optikusatrophie es gibt
Teilleistungsschwächen die zusätzlich das
auftreten können wie
Dyslexie das heißt jemand kann nich richtig lesen
Dyskalkulie er kann nich gescheit rechnen und es können
komplexe
neurologische Erkrankungen oder auch Verletzungen
vorliegen Hirntumore zum Beispiel
es können Mehrfachbeeinträchtigungen vorliegen
es kann zusätzlich ne
Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung vorliegen
zusätzlich ja
nich jeder ADHS-ler hat ne CVI und nich jeder CVI-
ler hat ne ADHS
ja aber es kann zusätzlich da auftreten es können
tiefgreifende Entwicklungsstörung vorliegen
zum Beispiel ne
Autismus-Spektrum-Störung
Gendefekte oder Syndrome
aber eine CVI kann auch völlig isoliert auftreten
auch bei sonst
entwicklungsunauffälligen Kindern und Jugendlichen
und CVI kann auch bei Erwachsenen vorkommen
so und das macht so extrem schwierig
weil Sie als Augenarzt ja vor dem gesamten
Symptomenkomplex sitzen
was ist jetzt wenn Sie den Verdacht
auf die Beeinträchtigung der visuellen
Wahrnehmung haben
da müssen Sie eine ausführliche orthoptische
und ophthalmologische Untersuchung zur Diagnostik
struktureller und funktioneller Störung
der Augen durchführen
ganz ganz eminent wichtig und die meisten CVI-
ler bekomme ich durch die Anamnese raus
das ist einmal die ganz profane Augenarzt-
anamnese bekannte Augenerkrankung werden abgefragt
wie war das vor
während und nach der Geburt waren da Risikofaktoren war
da Probleme aufgetreten
angeborene und erworbene Hirnschädigung
und dann geht's in die Details
mehr so rein wie ist
denn die Entwicklung gibt's Auffälligkeiten im Alltag
Kindergarten Schule
wie ist die Orientierung wie ist das Spielverhalten
wie ist's Verhalten bei Tag und in der Dämmerung
Vergleich Gehör und Sehen
viele CVI-ler erzählen dass sie extrem gut im auditiven
Lernen sind und Begreifen sind auch dass Kinder
extrem lange noch Sachen
oder immer wieder in Mund nehmen das heißt dieses
Tasten was man auch von Babyzeiten noch kennt
wie ist es persönliche Interessen und Schwächen
da könnt ich Ihnen jetzt n paar Folien mit expliziten
Fragen die wir stellen
in der Anamnese
aufführen dazu hab ich jetzt nicht die Zeit
das sind diese Fragen
zu den komplexen
Sehfunktionen
die ich hier nur noch einmal kurz wiederhole
dann müssen bei der
über die elementaren Sehfunktion natürlich überprüft
diagnostiziert und wenn möglich therapiert werden
und auf die gehe ich gar nicht näher ein weil das
bringt die Frau Osterholt gleich dazu
was wir zusätzlich als Augenärzte
machen wir untersuchen
den vorderen und hinteren Augenabschnitt
und ich habe Ihnen gesagt
wir kommen nur bis zum
Sehnervenkopf wenn wir die Pupille
weittropfen und ins Auge reinschauen und übrigens
Weittropfen ist super für uns
Augenärzte und ich mag das
nicht so gern die Augenärzte die
eigentlich um dem Kind
und den Eltern entgegenzukommen nich weittropfen
das eine ist das Weittropfen
ist sehr wichtig
für die objektive
Refraktion da kommt die Frau Osterholt noch drauf
und Sie müssen sich vorstellen durch ne Pupille
schaut man hindurch wie durch n Schlüsselloch
Sie sehen sehr viel vom Zimmer
aber Sie sehen nich alles
und das heißt ein Augenarzt
zeigt keine Schwäche wenn er die Pupillen weittropft
der ist bloß besonders gründlich weil er dann nämlich
bis in die Ecken von dem Zimmer auch reinkommt
ja und dann haben wir das Problem
die Untersuchung der Sehbahn hm
können wir hier nicht untersuchen
und das sind dann die Fälle wo wir eben auch sagen
wir wollen eine Bildgebung haben ein MRT haben
weil viele fragen
ah mein Kind ist doch sonst völlig gesund warum
wird jetzt n MRT gemacht
weil wir natürlich ausschließen müssen
dass irgendeine
Störung hier in der
Sehbahn die wir ja nicht sehen können
wir hören ja hier auf als
Augenärzte mit unserem Augenspiegel
nicht dass noch zusätzlich
oder vielleicht auch dafür verantwortlich
ein Tumor oder ne Veränderung im Gehirn ist
deswegen ist n MRT für uns als
Bildgebung und als Untersuchung der Sehbahn wichtig
so und wenn jetzt das
und eine CVI vorliegt dann ist das
mein erster Satz ist wichtig dass eine
interdisziplinäre Arbeit
stattfindet hab ich nicht mehr überprüft ja
aber das ist das Wichtige die interdisziplinäre Arbeit
muss dann stattfinden wenn ich den Verdacht
oder ne CVI vorliegt es sind
die Zusammenarbeit zwischen Augenärzten Orthoptisten
ich hab jetzt alles in der männlichen Form
ja also es wird sonst zu mühsam das vorzulesen
gilt natürlich genauso wie für Frauen wie
für Männer Augenärzte Orthoptisten Pädiater
gegebenenfalls Neurologe gehört dazu
die Neuropsychologen ganz ganz wichtig
die Pädagogen die
Ergotherapeuten
und die Selbsthilfegruppen und Vereine
und die Eltern und Familien die
mit ins Boot geholt werden müssen um dieses ganz
komplexe Krankheitsbild zu erfassen
so das ist die
interdisziplinäre
Zusammenarbeit die ich mir sehr sehr wünsche und
ich versuche auf
augenärztlicher
Seite das Ganze n bisschen anzuschieben
und übergebe jetzt aber an die Orthoptik
vielen Dank tschüss
danke Bettina
ich würd mal sagen wir warten jetzt noch mal die Frau
Osterholt ab dass wir
zu dem medizinischen erstmal
noch mal wenn dann Rückfragen
sind Rückfragen starten
also machen so im Programm jetzt erstmal weiter danke
danke danke danke
hallo
hallo auch von mir
mein Name ist Daniela Osterholt ich bin Orthoptistin
arbeite an verschiedenen Augenarztpraxen in Aachen
arbeite für die Förderschule Sehen
in Aachen und für die Förderschule Sehen in Düren
ich erzähl
jetzt etwas über die
Untersuchungen die in der Augenarztpraxis
gemacht werden sollten
aber auch das ist jetzt nicht an jeder Augenarztpraxis
und auch nicht in jeder Sehschule
unbedingt alles so vorhanden und wird
auch nicht immer unbedingt alles so durchgeführt
wie eben schon erwähnt wurde ist das Wichtigste
natürlich die Anamnese
wichtig zu fragen
welche Schwierigkeiten das Kind hat in Schule oder Kita
was den Eltern auffällt
was in der Schule den Lehrern auffällt
ob das Kind Erkrankungen hat
wie Schwangerschaft und Geburt verlaufen sind
das ist auch nur so n kurzer Überblick die
Anamnese sollte immer ausführlich durchgeführt werden
und
wichtig ist dass man bei den Kindern
eine vernünftige
Refraktionsbestimmung macht
also erstmal guckt ob das Kind
irgendwie eine Brille braucht
das machen wir orientierend erstmal in
Miosis also bei enger Pupille zur genauen
Bestimmung
sollten aber immer die Pupillen weitgetropft werden
weil man sonst halt auch kleinere
Fehlsichtigkeiten überhaupt gar nicht rausbekommt
weil die Kinder das gut wegakkommodieren können
wichtig ist auch wenn das Kind
irgendwelche Beschwerden hat in der Schule irgendwie
nicht gut klarkommt
dass man auch schon
kleinere Refraktionsfehler ausgleicht die vielleicht
altersentsprechend
sind aber dem Kind trotzdem schon helfen können
wenn man auch
kleinere Weitsichtigkeiten zum Beispiel ausgleicht
und das Kind einfach entspannter sehen kann
dann wird vor allen Dingen das Binokularsehen geprüft
das die höchste
Stufe des Binokularsehens kann man mit dem Lang-Test
testen das ist jetzt
der hier oben ist vielleicht
bekannt Lang-Test 1 und Lang-Test 2
dann gibt's noch den Titmus-Test
da kann man auch Stereopsis testen
das ist dieser hier
und der Bagolini-Test wo man auch
Fusion
testen kann also erstmal
testen kann können beide Augen zusammen gucken
ohne dass man weiß ob Stereopsis besteht
dann wird
in der Sehschule die Augenstellung überprüft
man guckt also ob das Kind irgendeinen
Schielwinkel hat
man kann dann das Kind mit einem Fixierlicht
anleuchten und sehen wie die Augenstellung ist
anhand der Hornhautreflexbilder
und prüft dann mit dem Cover-Test
ob noch auch latente Schielwinkel da sind
dann ganz wichtig natürlich die Visusprüfung
die sollte immer mit optimaler Korrektur stattfinden
wird ja immer in der Ferne getestet
aber optimalerweise auch in der Nähe das ist wohl
also in Augenarztpraxen wo Orthoptistinnen
tätig sind dann doch eher üblich
dass auch die Nähe geprüft wird
es wird monokular und binokular geprüft
und es sollte immer der Einzelvisus
und auch der Reihenvisus geprüft werden also der Visus
die Sehzeichen enger
zusammenstehen
wie man das halt auch beim Lesen
braucht in der Schule wie es halt bei
Wörtern der Fall ist oder bei Zahlenreihen
das Kontrastsehen sollte
mitgeprüft werden aber geb ich zu prüfe
ich in der Praxis auch nicht weil ich einfach den Test
nicht habe in der Praxis
in den Schulen
prüfe ich das aber das ist in den Praxen
halt nicht immer gegeben
hier hab ich noch mal verschiedene
Visustests gezeigt der Lea-Test wird bei den
Kindern geprüft die also noch nicht so die Zahlen
lesen können das ist dieser hier
dann die E-Haken
der C-Test das ist der mit den Landoltringen
ja Zahlen können geprüft werden
es gibt immer noch Augenarztpraxen
die auch mit Kinderbildern prüfen
das sollte aber eigentlich vermieden
werden weil das halt Bilder
sind die die meisten Kinder
gar nicht kennen
also n Schlüssel wie der da abgebildet ist
kennt kein Kind mehr
das ist aber wichtig dass
dass halt die anderen Tests sind
dann hier noch mal im
Vergleich der Einzel- und der Reihenvisus
das hier ist der Einzelvisus
auch wenn das Reihen sind die da jetzt aufgemalt sind
da ist aber der Abstand
der Zeichen viel größer als zum Beispiel bei diesem
Test
genauso ist das jeder Fall
das ist der Einzelvisus das ist der Reihenvisus
und hier auch noch mal
ein Beispiel für den
Reihenvisus weil da halt einfach die Zeichen viel
dichter zusammenstehen
als bei diesen Einzelvisustests danke
dann sollte die Augenbeweglichkeit geprüft
werden die Motilität
man zeigt dem Kind ein
Fixierlicht oder ein Objekt und lässt das Kind dieses
Objekt verfolgen und guckt halt ob in allen
Blickrichtungen die Motilität frei ist
dann sollte geguckt werden ob das Kind gut
akkommodieren kann
also auch da wird wieder n kleines Objekt
dem Kind gezeigt und dann halt nah vors Auge
geführt um zu gucken wie lang das Kind das noch scharf
sehen kann das ist auch
wichtig damit man weiß ob das Kind überhaupt in der Lage
ist irgendwas in der
Nähe lesen zu können oder scharf zu sehen
wenn es die Augen erst
gar nicht auf die Nähe einstellen
kann dann muss man ihm da irgendwie schon helfen
dann sollte die Blickmotorik mitgeprüft werden
die Sakkaden das sind schnelle Blicksprünge
also man lässt das Kind von rechts nach links oder
von oben nach unten auf verschiedene Objekte schauen
und guckt ob es die gut
fixieren kann und auch immer den Blick dann trifft
auf dieses Objekt und die
Folgebewegungen sollten geprüft werden
da werden Objekte langsam
horizontal und vertikal
bewegt und man kann
dann sehen ob das Kind es gut verfolgen kann
so als nächstes das Farbsehen
dann gibt's den Ishihara-Test
der sieht so aus der hat dann solche
Zahlen oder auch für die kleineren Kinder
Schlangenlinien die mit dem Finger verfolgt
werden sollen
das ist noch n Test der in den meisten Augen-
arztpraxen würd ich jetzt mal behaupten vorhanden ist
die anderen beiden Tests das ist der Farnsworth-Test
das ist dieser hier
den hab ich in den Augenarztpraxen
auch nicht zur Verfügung
da hab ich auch nur den Ishihara-Test
oder halt diese Farbtafeln wo man erstmal
testen kann kann das Kind
überhaupt diese einzelnen Farben erkennen
oder wenn es das nicht benennen kann ob es die
richtig zuordnen kann
hab ich aber auch in der Praxis nicht diesen Test
das Gesichtsfeld
sollte überprüft werden
da ist es oft so dass es diese elektronischen Perimeter-
Geräte gibt also hier wie dieses
hier zum Beispiel das ist in den Praxen
häufiger vorhanden
dann gibt es noch Praxen die auch das Goldmann-
Perimeter haben
das ist das hier da wird manuell geprüft
der Vorteil ist dass man dann auch
die Geschwindigkeit dem
Patienten anpassen kann also wenn man merkt irgendwie
das Kind braucht mal
ne Pause kann man die Pause machen
oder es halt auch noch drei-, viermal wiederholen
das ist bei den elektronischen
den Perimetern etwas schwieriger
da gibt's noch den Nefftrichter das ist dieser hier
den kenn ich aber auch nur aus den Schulen an
denen ich tätig bin in der Praxis hab ich den auch nich
und ist auch bei so nem kleinen Kind
eher nicht durchführbar
also da müssen die Kinder schon älter sein um das
zu können
und
dann
sollte man optimalerweise noch den Vergrößerungsbedarf
bestimmen aber deshalb steht's auch in Klammern das is
etwas was
ich in der Augenarztpraxis
noch nie gemacht habe was ich an den Schulen mache
aber man hat auch da in der Praxis
einfach keine Zeit für
also ich hab 5 Minuten pro
Patient in der Praxis und dann fällt da
schon ganz ganz viel weg
was man irgendwie so testen kann
deshalb ist das
eher etwas was ich dann in den Schulen teste
man hat halt dann Zahlen und Texte
in verschiedenen Größen und kann halt dann
gucken was kann das Kind noch flüssig lesen wo
nähert es besonders an
oder wo hat es größere Schwierigkeiten
dann kann man dann halt den
Vergrößerungsbedarf ablesen und die
Lesegeschwindigkeit kann noch getestet
werden aber das ist auch was was
in einer Augenarztpraxis nicht geht und eher nur
an den Schulen gemacht wird
dann gibt's noch verschiedene Tests zur visuellen
Wahrnehmung ich hab jetzt hier nur mal so vereinzelte
aufgezählt das ist einmal der Insight den haben
wir in Aachen in der Schule
da der wird leider
den kann man nicht mehr beziehen
das ist das Problem
aber der ist super um da n Überblick zu bekommen
bekommt man noch ah ah
sehr gut und wo bekommt man den
ah okay das ist ja gut zu wissen gut dann
ignorieren Sie das
was dahintersteht he das ist perfekt
der ist nämlich super dieser Test
dann gibt's noch den FEW
den vielleicht einige kennen
es gibt auch noch viele andere Tests aber das ist
auch was was wir jetzt in der Augenarztpraxis
nicht durchführen
das kann man als IGeL-Leistung anbieten
wird bei uns in den Praxen in denen ich tätig bin
nicht gemacht
aber das ist auch nichts was die
Krankenkasse übernimmt oder was man in ner 5-Minuten-
Untersuchung irgendwie mal eben so nebenbei
machen könnte
ja jetzt komm ich auch schon zum Ende
ich hab jetzt noch mal
eine Folie hier wo man Augenarztpraxen finden kann
die sich vielleicht schon mal so n bisschen mit CVI
auskennen
beziehungsweise die erstmal eine Orthoptistin haben
das kann man googeln unter www.orthoptik.
de kann man das eingeben und gehen auf Praxensuche
dann kann man den Wohnort oder die
Postleitzahl eingeben und kann dann sich
Praxen anzeigen lassen die eine Orthoptistin haben
beziehungsweise auch eine Orthoptistin die sich halt
mit diesen Lern- und Entwicklungsstörungen auskennt
da
die sind dann halt noch mal
sortiert und das könnte man den Eltern an die Hand
geben wenn sie da
nen Augenarzt suchen
der vielleicht dann schon irgendwie
mal was davon gehört haben könnte ja okay vielen Dank
Hallo wir hoffen der Vortrag hat Ihnen gefallen
Mehr Informationen finden Sie unter sightcity.net/F032009.
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