SightCity Forum 2026: Digitalexperten der PRO RETINA stellen ihre Hilfsmittel vor (F031008)
01.09.2026 24 min
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Zusammenfassung & Show Notes
Zwei Digitalexperten der PRO RETINA zeigen auf der SightCity 2026, welche Hilfsmittel sie tatsächlich täglich nutzen. Markus Bernrieder erledigt 95 Prozent seiner digitalen Aufgaben über das iPhone und führt durch seine wichtigsten Apps – bis hin zu KI-Brillen, die inzwischen einen fortlaufenden Videostream beschreiben können. Steffen Beck erzählt anschließend seinen Weg vom Sehverlust zurück in die Selbstständigkeit und warnt vor blindem Vertrauen in ChatGPT. Aufgezeichnet am 27. Mai 2026.
Die Digitalexperten der PRO RETINA (00:00:00)
Die Digitalexperten der PRO RETINA sind in der Regel auch Hilfsmittelberater – weil das digitale Thema in den letzten Jahren so stark in den Vordergrund gerückt ist, gab es dafür eine eigene Ausbildung.
Das iPhone als Schweizer Taschenmesser (00:01:12)
Markus Bernrieder erledigt nach eigener Aussage rund 95 Prozent seiner digitalen Aufgaben über das iPhone: Bankgeschäfte, E-Mail-Verkehr, Briefe schreiben, Verbindungen suchen, Zugtickets buchen, Schriftstücke vorlesen lassen.
Sein Plädoyer für den Screenreader (VoiceOver beim iPhone, TalkBack bei Android): Wer sich die Mühe macht, ihn zu lernen, kann das Gerät deutlich tiefer und vor allem sicherer bedienen als über Sprachassistenten allein.
Für Menschen mit Sehrest gibt es zusätzlich: eingebaute Lupen-Apps, Vorlese-Apps, die ohne Screenreader funktionieren, und Bildschirmvergrößerung. Der einfachste Trick von allen: ein Foto machen und es groß ziehen – damit lassen sich Speisekarte oder Fahrplan lesen. Ein Tablet dient ihm nur noch dazu, Fotos auf großer Fläche zu betrachten.
Alternative für Smartphone-Skeptiker (00:04:03)
Für alle, denen die Gestensteuerung zu umständlich ist: ein Gerät auf Smartphone-Basis mit drei großen, gummierten Tasten am unteren Bildschirmrand (vorwärts, rückwärts, Enter) und einem ansonsten unempfindlichen Bildschirm. Alle Funktionen lassen sich darüber bedienen, KI-Funktionen sind bereits an Bord. Das Gerät wird im Vortrag als Foxy Vision genannt und ist auf der Messe vertreten.
Die wichtigsten Apps im Überblick (00:05:16)
- Seeing AI (Microsoft) – vorlesen, Bilder beschreiben, Produkte und Geldscheine erkennen; die „eierlegende Wollmilchsau"
- Be My Eyes – sehende Hilfe per Videoanruf, plus die KI-Bilderkennung Be My AI
- PiccyBot – beschreibt auch Videos, etwa die per WhatsApp zugeschickten
- Orion – Gegenstände wiederfinden und den Weg finden; später auch auf der KI-Brille
- ScribeMe – liest PDFs inklusive der enthaltenen Abbildungen aus, etwa Display-Skizzen in Betriebsanleitungen
- Live Read – kleine App, die nur eine Sache macht: vorlesen, was vor die Kamera kommt
- Voice Dream Scanner – interessant für Sehrestler, weil das Original sichtbar bleibt, während der Text vorgelesen wird
- NaviLens – zum Beschriften
- die SightCity-Messe-App
KI-Brillen: die Hände frei haben (00:09:01)
Keine dieser Brillen kann mehr als ein Handy – Smartphones können in der Regel deutlich mehr. Der entscheidende Vorteil: freie Hände. Aktueller Vorreiter ist Meta mit den Brillenherstellern Ray-Ban und Oakley; Google und Apple stehen in den Startlöchern, weitere KI-Brillen sind für den Herbst angekündigt.
Bemerkenswert findet der Referent, dass diese Brillen gar nicht als Hilfsmittel konstruiert wurden, sondern für Menschen, die YouTube-Videos machen und auf Instagram posten – und trotzdem so hilfreich sind. Das erspart den üblichen Hilfsmittelweg über hohe Preise und Kostenübernahme durch die Kasse.
Der Funktionsstand: Fragen wie „Was habe ich in der Hand?", „Lies mir das Schild vor", „Was steht auf der Speisekarte?" funktionieren zuverlässig – bislang aber statisch, also auf Basis eines Einzelfotos.
Vom Einzelbild zum Videostream (00:11:38)
Der neue Schritt: Die App Orion hat es als erste Drittanbieter-App auf die Meta-Brille geschafft und beschreibt einen fortlaufenden Videostream. Man vergibt einen Auftrag („Achte darauf, ob der Weg vor mir frei ist", „Ich suche einen Papierkorb / eine Bank / ein bestimmtes Gleis"), der dann laufend ausgeführt wird.
Zwei mitgeschnittene Tonbeispiele im Vortrag zeigen das: die Beschreibung eines Bürgersteigs mit Metallzaun, geparkten Autos und Fahrrad – und die Suche nach Gleis 15 im Bahnhof, bei der die Brille sich über die Anzeigetafeln 12, 13 und 14 zum richtigen Schild vorarbeitet.
Einschränkungen, die der Referent klar benennt: Rechts-links-Probleme, Verzug je nach Netzqualität (also langsam bewegen und stehen bleiben), Umgebungsgeräusche – und vor allem: sich nie blind darauf verlassen, den Langstock immer mitführen.
Frage aus dem Publikum: iPhone oder Android? (00:16:34)
Klare Empfehlung mit Begründung: Wer technisch erfahren ist und sich gerne selbst einarbeitet, ist mit Android gut aufgehoben. Wer auf Hilfe angewiesen ist, sollte zum iPhone greifen – der Pool an Helfenden ist ungleich größer. Zum Vergleich nennt der Referent zwei WhatsApp-Gruppen: 150 Mitglieder in der VoiceOver-Gruppe, 20 in der Android-Gruppe (Interessierte sind eingeladen).
Weitere Gründe: Bei Android unterscheidet sich vieles je nach Hersteller und Software-Variante, bei Apple ist es durchgehend gleich – ein iPhone 4 und ein iPhone 17 bedienen sich gleich. Und weil der Nutzerkreis bei Apple größer ist, entwickeln kleine App-Anbieter zuerst dort; eine Android-Umsetzung folgt vielleicht, vielleicht auch nicht.
Erfahrungsbericht: Vom Sehverlust zur digitalen Selbstständigkeit (00:18:36)
Steffen Becks Weg: pathologische Myopie, links frühgeburtlich erblindet, rechts alle Grade der Sehbehinderung durchlaufen – Netzhautablösung 2003, 2010 eine CNV, vergleichbar mit der Makuladegeneration. Für die Arbeit gab es eine Anpassung der Arbeitsmittel (Topolino, Bildschirmlesegerät, ein Nokia N86 mit KNFB Reader).
Entscheidend war die Selbstorganisation: 2010 Anschluss an die PRO RETINA Regionalgruppe Dresden, 2011 über das Universitätsklinikum Tübingen die Teilnahme an einer Studie zum Umgang mit synthetischer Sprache – was ihm half, Bücher und Zeitschriften zu lesen und rechtzeitig auf PDFs umzusteigen. 2013 der Umbruch: das geerbte iPhone 4s seines Sohnes und der konsequente Umstieg auf Apple.
Heute: iPhone 15 Plus und MacBook, Bücher- und Lese-Apps, Voice Dream Reader und Scanner, Navigations-App – und KI wie ChatGPT und Copilot, im Umgang mit Texten „fast unschlagbar".
Zwei Warnungen aus eigener Erfahrung: ChatGPT erklärte ihm einen Weg zu einem Menü, das es gar nicht gab, und gestand erst auf mehrfaches Nachfragen kleinlaut ein, nicht helfen zu können. Und eine erbetene Buchzusammenfassung war wunderbar formuliert – nur zu einem imaginären Buch. Sein Rat: konkrete Fragen, Quellenangaben, nachhaken.
Sein Schlussappell: „Seid mutig, verbindet euch, verknüpft euch, nutzt Selbsthilfegruppen oder Berater wie uns, um nicht aufzugeben" – und euch mit der Technik den Alltag und die Teilhabe zurückzuerobern.
Kontakt und Links
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- PRO RETINA Deutschland e. V.
- Vortragsseite: https://sightcity.net/F031008
- SightCity: https://sightcity.net
Über die SightCity
Die SightCity ist Europas größte Fachmesse für Blinden- und Sehbehinderten-Hilfsmittel. Mehr Informationen: www.sightcity.net
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Transkript
herzlich willkommen zum Mitschnitt des Forums vom 27.05.2026
Digitalexperten der PRO RETINA stellen ihre Hilfsmittel vor
Referenten Markus Bernrieder und Steffen Beck
viel Freude beim Zuschauen
ja hallo in die Runde
wir freuen uns dass wir hier sein dürfen
mein Name ist Markus Bernrieder
und der Kollege
Steffen Beck ist mit dabei der dann den zweiten Teil
von unserem kleinen Vortrag gestalten wird
ja das Thema ist
das Thema ist die Digitalexperten der PRO RETINA
stellen ihre Hilfsmittel vor
die Digitalexperten sind
in der PRO RETINA
in der Regel auch Hilfsmittelberater
aber in den letzten Jahren hat sich halt das digitale
Thema sehr stark nach vorne gedrängt
und so hatten wir da auch einiges
an Ausbildung
und die Leute die sich da besonders dafür interessieren
beraten eben auch im Bereich digitales
ja es ist die Frage die Experten
stellen ihre Hilfsmittel vor
das wäre bei mir sehr schnell abgehandelt
da würde ich sagen das ist mein iPhone und
das erledigt sozusagen
95 Prozent meiner digitalen Aufgaben die ich
zu tun habe ich bin zum Glück
nicht mehr berufstätig
muss also nicht zwingend mit dem
PC arbeiten und habe alles ausgelagert auf mein iPhone
was ich so tagtäglich zu tun habe
das heißt meine
Bankgeschäfte meinen E-Mail-Verkehr auch die Briefe
die ich noch zu schreiben habe
meine üblichen Verbindungen rauszusuchen
Zugtickets zu buchen
mir Briefe oder andere Schriftstücke vorlesen zu lassen
all dieses
ist mittlerweile ganz problemlos mit so einem Smartphone
möglich
vor allem ist es sehr gut möglich wenn man sich die
Mühe macht sich den Screenreader anzueignen
beim iPhone wäre es jetzt VoiceOver
bei den Android-Geräten TalkBack
mit der Funktion oder wenn man sich diese Funktion aneignet
hat man doch noch viel bessere
Möglichkeiten in der Tiefe des Geräts zu bedienen
als nur die Assistenten zu benutzen
die Assistenten ja ich denke weithin bekannt die Siri
das sind die Sprachassistenten
und ja das eine oder andere können die ganz gut erledigen
aber oftmals denkt man
rauft man sich die Haare und denkt Gott bewahre
was erzählst du mir oder was machst du also wenn man
sein Gerät sicher und vor allem ohne Fehler zu machen
ohne aus Versehen irgendwo falsch zu tippen oder so weiter
bedienen möchte dann
sollte man sich so einen Screenreader
eben aneignen
ich selber habe noch einen Sehrest zur Verfügung zum Glück
und somit habe ich mich auch ein bisschen fokussiert
auf die Personen
denen es auch so geht also die nicht vollständig
blind sind sondern ihre Geräte auch noch mit
Sehrest sprich optisch benutzen
auch in dem Bereich gibt es nämlich jede Menge Hilfsmittel
es gibt eingebaute Lupen Apps
es gibt auch Vorlese-Apps die funktionieren ohne
einen Screenreader zu benutzen
man kann sich den Bildschirm vergrößern
und ich denke das allereinfachste Hilfsmittel
das die meisten sicherlich
tagtäglich benutzen ist ich mache einfach ein Foto
und dann schaue ich mir das Foto an und ziehe mir das
groß und dann schon kann ich meine Speisekarte oder meinen
Zugfahrplan oder dergleichen ablesen
dadurch dass ich eben noch den Sehrest benutze habe ich auch
zusätzlich noch ein Tablet im Betrieb das
aber tatsächlich für mich nur noch dazu
dient meine Fotos zu vergrößern
auszusortieren zu schauen wie sind
die Gesichtsausdrücke oder so
dort kann ich's halt einfach noch mal auf ner größeren
Fläche riesig machen ansonsten wie gesagt
funktioniert bei mir eigentlich alles
was ich brauche auf dem iPhone
ja wie der Dario schon immer gesagt hat das Schweizer
Taschenmesser
unter den Hilfsmitteln
jetzt gibt es aber viele Leute die sagen ja okay
das ist mir alles zu umständlich das ist so viel zu lernen
die vielen Gesten die man da können muss und
ich will doch eigentlich nur meine
Zeitschriftenartikel lesen
meine Produkte im Kühlschrank schauen was ist das
Notizen machen oder eben schnell eine Lupe verwenden
und da gibt es
jetzt seit ein paar Jahren auch ein ganz tolles Hilfsmittel
von dem ich sehr begeistert bin und
dass ich immer in dem Fall eben empfehle wenn jemand sagt
ich möchte nicht mehr
mich befassen mit so einem modernen
Smartphone und mir das alles aneignen
das na
hier sind wir noch bei den Apps
da komm ich gleich noch dazu
dieses Gerät ist im Prinzip auch auf Smartphone-
Basis hat aber am unteren Bildschirmende einfach nur
drei große Tasten die sind so
gummiert die kann man fühlen
und der restliche
Bildschirm ist unempfindlich
das heißt ich kann mit diesen Tasten vorwärts rückwärts
oder eben Enter also okay drücken
und kann so alle Funktionen die das Gerät bietet benutzen
also auch für Leute die eben sagen ich
Sie möchten nicht so ein Smartphone erlernen
gibt's mittlerweile tolle Lösungen und auch hier sind schon
KI-Funktionen mit an Bord
und so dass man wirklich auch da die neueste Technologie
sehr gut schon nutzen kann
ich hab jetzt hier meinen
Ausschnitt gezeigt
meine wichtigsten Apps die ich so verwende und
das ist ich gehe
einfach mal durch besonders damit
sie so n Einblick haben weil das
das Gerät allein ist natürlich schön und
iPhones können auch schon viel
was direkt an Bord dabei ist
aber natürlich sind dann die
die wahren
Helfer sind auch die Apps die man sich dann drauf
lädt ich denke auf jedes Smartphone sollte die App Seeing AI
von Microsoft
installiert sein das ist wirklich so ne App
die sag ich mal alles kann
die kann vorlesen die kann Bilder
beschreiben die kann Produkte erkennen
Geldscheine erkennen und so weiter
also das ist so eine eierlegende Wollmilchsau dann
das nächste ist die Be My
Eyes App finde ich eine ganz wunderbare Geschichte zum einen
kann man sich über diese App
sehende Hilfe dazu holen die dann über die Smartphone Kamera
blicken kann und uns sozusagen Anweisungen geben kann
was zu tun ist eine Displayablesung
oder wenn man sich verlaufen hat oder wie auch immer
mit an Bord ist aber seit einigen Jahren auch die Funktion Be
My AI
und da geht's um eine KI
Bilderkennung
die wie ich finde immer noch sehr sehr leistungsfähig ist
und mit der ich also jederzeit
ein Foto machen kann und
mir das dann ganz ausführlich beschreiben lassen kann
was alles auf diesem Foto zu sehen ist
und man muss ganz ehrlich sagen ich hab selten einen
Sehenden getroffen der es mir besser hätte erklären können
als diese KI das dann berichtet
ja das nächste in der Reihe heißt
PiccyBot die macht im Prinzip nichts anderes die
beschreibt allerdings auch Videos
sehr schön also man kann wenn man so kurze Videos hat
vielfach wird uns das ja zugeschickt über WhatsApp
und dergleichen
und wir können dann oft ja gar nichts damit anfangen
aber das wäre eine App die kann dann dieses Video erklären
was da passiert
dann habe ich die App Orion noch auf meiner ersten Seite
die ist
sehr hilfreich wenn's drum geht Gegenstände wiederzufinden
oder auch meinen Weg zu finden
und am Ende von meinem
Vortrag komme ich da auch noch mal drauf zurück
die ist nämlich auch jetzt sehr hilfreich was diese
KI-Brillen betrifft
ja bitte danke
also das sind jetzt Apps die auf meinem iPhone
sind das Gerät das ich vorhin beschrieben habe heißt Foxy
Vision und ist hier auch in der Halle vertreten
ach so wenn sie noch Fragen
haben wir sind an unserem Stand von der PRO RETINA
hier in der ersten Etage
direkt gegenüber den Rolltreppen
N 05 sagt der Steffen gerade
vertreten und wir sind auch dort
vor Ort wir beiden und sind ansprechbar wenn Sie noch Fragen
zu den
einzelnen Themen haben wir haben jetzt leider ein bisschen
Zeitdruck und deswegen versuchen wir möglichst
durchzukommen aber wie gesagt wir sind im Anschluss
dann an unserem Stand für Sie ansprechbar
ja also das sind eben
Apps die jetzt sich auf meinem iPhone befinden
ScribeMe ist ja hier in der Mitte
das ist eine App die sehr gut PDFs
auslesen kann
und zwar inklusive der Bilder also angenommen ich habe eine
Betriebsanleitung von meinem Backofen
dann würden die auch die Skizzen die da
oftmals drinnen sind von den Displays und so weiter
wird er das auch erzählen
die nächste Live Read
eine ganz kleine App
die nichts anderes macht als einfach
nur vorzulesen was vor die Kamera kommt und ich bin
großer Fan von Apps die nur eine Sache können
der ist aber richtig gut
das wäre diese Live
Read dann habe ich noch den Voice Dream
Scanner einfach ein Scanner der gerade für
Sehrestler sehr interessant ist weil ich auch das
das Original
noch sehen kann obwohl mir dann der Text vorgelesen wird
am Schluss noch NaviLens da
kann man beschriften damit gehe ich jetzt auch nicht tiefer
drauf ein und natürlich die SightCity-Messe-App
muss hier natürlich dabei sein ganz klar
ja
jetzt haben wir schon gehört dass viele
Apps dann auf künstliche Intelligenz zurückgreifen
um eben Bilder zu beschreiben
das funktioniert auch schon seit n paar Jahren
sehr sehr gut
denke ich ist mittlerweile wirklich richtig gut ausgereift
und
das nächste was jetzt kommt oder was stark im Kommen
ist sind diese KI-Brillen
also Brillen mit einer Kamera
an Bord die dann
mittels künstlicher Intelligenz uns erzählen können
was sie sehen
und der Unterschied
also keine von diesen Brillen kann mehr als ein Handy
im Gegenteil
die Smartphones können in der Regel deutlich mehr
aber der Riesenunterschied ist wir haben die Hände frei
das heißt wenn wir so ne Brille auf der Nase haben
dann haben wir die Hände frei um andere Dinge zu tun
auch die App Be My Eyes ist
zum Beispiel verknüpft und gerade da kann es
hilfreich sein wenn ich eben meinem
sehenden Helfer
mit freien Händen
zeigen kann oder sagen kann was ich eben tun möchte
aktuell ist da noch eine Firma Vorreiter sage ich mal
das ist die Firma Meta mit den Brillenherstellern Ray-
Ban und Oakley
gibt's verschiedene Modelle
auch mit verschiedenen Leistungsfähigkeiten
aber
der Herbst soll auch weitere KI-Brillen bringen deswegen
wenn sich jemand das überlegt denk ich
man macht momentan nichts falsch sich so
n Gerät zuzulegen also die Leistungsfähigkeit ist gut
aber wenn jemand sagt ich will mal sehen was da
noch so kommt
also Google und Apple stehen da in den Startlöchern
und wir sind eigentlich hochgespannt was da
draus wird wie gut das
funktionieren wird
vor allem wie gut die Leistung
sein wird für uns als blinde und
Sehbehinderte weil das ist
eine Besonderheit was mir auch besonders gut gefällt
diese Brillen
sind nicht als Hilfsmittel gedacht und konstruiert
sondern die sind gebaut
für Leute die YouTube Videos machen die Instagram posten
also für den Personenkreis wurden die entwickelt
gibt es tatsächlich auch schon relativ lang
jetzt ist seit
eineinhalb zwei Jahren in den USA bereits diese KI
drauf gekommen
und seit letztem Jahr auch bei uns in Deutschland
ich hatte letztes Jahr hier auf der Messe schon so ein
Modell auf der Nase da war's noch sehr
rudimentär man musste alles in Englisch machen
und es hat mal funktioniert mal nicht
mittlerweile funktioniert es wirklich ganz toll
also man kann sich
sagen lassen oder ich kann fragen was hab ich in der Hand
lies mir das vor lies mir das Schild vor
was steht auf der Speisekarte
was steht auf dem
Wegweiser und so weiter das funktioniert alles sehr gut und
und aber wie gesagt noch statisch
das heißt es wird ein
Foto gemacht und dann wird das Foto analysiert und mir wird
erzählt was dort zu sehen ist
der nächste große Schritt ist gerade erst passiert
und zwar hier kommt die App
Orion wieder ins Spiel
die sind tatsächlich hier die 1. die das geschafft haben
auf die Brille zu kommen als Drittanbieter App
und mit dieser Orion-App
auf der Meta-Brille habe ich jetzt erstmals die Möglichkeit
wirklich auch sozusagen einen
Videostream beschrieben zu bekommen ich kann nen
Auftrag vergeben
und kann sagen
achte darauf ob der Weg vor mir frei ist
und dann kriege ich immer wieder erzählt ja der Weg ist frei
rechts liegt ein E-Roller links stehen Autos
oder ich kann sagen ich suche
einen Papierkorb am Bahnhof oder
oder eine Bank oder ein bestimmtes Gleis
also ich kann den
Auftrag vergeben und der wird dann fortwährend ausgeführt
auf Basis eines Videos
beziehungsweise viele einzelne Bilder die hintereinander
gemacht werden
auch das funktioniert schon ganz ordentlich
noch nicht hundertprozentig fehlerfrei es gibt noch
rechts links Probleme
und bei all diesen KI-
Dingens ist es natürlich so man darf sich da nie blind
drauf verlassen im wahrsten Sinne des Wortes sondern
man sollte natürlich immer seinen Langstock mitführen
und das überprüfen was da
gesagt wird aber
es ist wirklich erstaunlich was da schon erledigt wird
und ja ich wollte da noch mal drauf zurückkommen
eben dieses diese Brillen sind nicht für uns gemacht
und trotzdem so hilfreich und das finde ich
richtig richtig cool muss ich sagen weil
wir kennen ja alle das Thema mit den Hilfsmitteln wie
erstens mal sind sie in der Regel sehr sehr teuer
wir müssen schauen dass wir die von der
Kasse kriegen dass wir entsprechend eben auch
vielleicht schlecht genug sehen um die zu kriegen
es ist alles immer mit viel Aufwand verbunden
und ich persönlich würde mir wünschen dass alle
Gegenstände des Alltags für uns einfach nutzbar sind
und im Idealfall noch
so hilfreich sind wie eben aktuell diese KI-
Brillen ich habe jetzt noch zwei Beispiele mitgebracht
leider kann ich meinen Ton
hier nicht auf den Bildschirm legen deswegen
lass ich meinen Ton jetzt hier über das
Mikro laufen das wird schon gehen
Entschuldigung und dann
könnt ihr einfach mal
hören wie hört sich das an und wer's noch sehen kann
kann auch sehen
ich habe das Bild
mit einem zweiten Handy mitgefilmt ich habe das heute
erst gemacht ich bin immer ein Fan davon das
immer ganz zeitnah
zu machen beziehungsweise ich bin einfach immer spät dran
mit allem ehrlicherweise
aber ich zeige euch jetzt diese zwei Schnipsel noch um einen
Eindruck zu haben
Eindruck zu haben wie muss ich mir das
Agieren mit so einer KI-Brille vorstellen
und dann werde ich auch schon an den Steffen übergeben
im Anschluss Entschuldigung ja
noch eine kurze Sekunde
Zoom fragt wie hieß die App die PDF liest
ScribeMe ScribeMe
ScribeMe ScribeMe S C R I ScribeMe
alles klar wir schreiben ScribeMe
jawohl alles klar danke schön
gut dann schauen wir mal ob der Ton an ist
der ist frei
du gehst auf einem Bürgersteig
der links von einem
Metallzaun und rechts von einer Reihe geparkter Autos ist
beschreibe meine Umgebung
Metallzaun links
Bürgersteig Schatten eines Zauns auf dem Bürgersteig
Bürgersteig Fahrrad auf dem Bürgersteig
rotes Gebäude mit vielen Fenstern
weißes Gebäude rechts
blauer Himmel schwarze Straßenlaterne links
ja der Weg vor dir
ich sehe die Gleise
12 und 13 auf den Anzeigetafeln
über dir aber Gleis 15 ist nicht direkt in deinem Blickfeld
ich sehe kein Gleis 15
direkt vor dir ist ein blaues Schild mit der Nummer 13
ich sehe ein Schild mit der Nummer 14 auf der linken Seite
Gleis 15 ist nicht direkt vor Ihnen
ja
Gleis 15 ist direkt vor Ihnen auf der linken Seite zu sehen
ich sehe ein blaues Schild mit der weißen Zahl 15 darauf
das Gleis 15 anzeigt
ja
so also ihr habt es ja so ein bisschen hören können
wie man sich das vorstellen muss
natürlich muss man
schauen mit Umgebungsgeräuschen
und man merkt auch je nachdem wie gut das Netz gerade ist
kann es auch einen Verzug geben
das heißt ich kriege
eventuell erst was angesagt
wenn ich schon daran vorbeigelaufen bin
also ich sollte mich damit relativ langsam bewegen
vielleicht immer mal wieder auch stehen bleiben
aber es kann durchaus eben schon
eine Hilfe leisten die ich
ich glaub eigentlich letztes Jahr noch gar nicht
für möglich gehalten hätte und
damit würde ich meinen Teil
auch schon beenden und an den Steffen übergeben
und sag vielen Dank für die Aufmerksamkeit
ja die Frage war zu Android
das ist tatsächlich
ein schwieriges Thema sage ich mal also ich würde sagen
ganz kurz gesagt
jeder der Lust hat
selber sich damit zu befassen sich da wirklich reinzuknien
nachzugoogeln zu schauen
auszuprobieren zu spielen
wer technisch erfahren ist
für den der ist mit Android
sehr gut aufgehoben auch der wird das meiste davon schaffen
wenn jemand auf
Hilfe angewiesen ist und sagt wie geht das wie mache ich das
wie komme ich dorthin wie komme ich dahin wie geht
das mit dem Screenreader
welche Gesten brauche ich
würde ich dringend zu einem iPhone
raten weil der Pool an Leuten die helfen können ist
riesengroß und bei Android ist er das nicht also ich
habe eine Gruppe da sind
Leute drin die sich eben für VoiceOver interessieren
da sind 150 Leute drin und dann gibt's noch eine für Leute
mit Android da
seid ihr auch eingeladen
mitzumachen wer da reinkommen möchte
sind WhatsApp-Gruppen
da sind halt 20 Leute drin bei Android
so kann man sich den Unterschied etwas vorstellen
das ist der eine Punkt also wie gesagt es gehört viel
Eigeninitiative bei Android dazu
weil auch die
es ist je nach
Handyhersteller und je nach
Software-Variante kann sich sehr viel unterscheiden und bei
Apple ist durchgehend alles gleich
also ich kann ein iPhone
4 in die Hand nehmen und ein iPhone
17 in die Hand nehmen und ich kann es einfach bedienen
bei Android muss man sich
anpassen sag ich mal
und der letzte Grund den ich noch anführen kann ist
es gibt natürlich dadurch
dass der Nutzerkreis für Apple sehr groß ist
wenn es da junge App-
Entwickler gibt die sich was überlegen
und was ausprobieren wie die Live
Read die ich jetzt gerade gezeigt habe dann tun die
das erstmal für die Apple Plattform weil dort die Nutzer
halt sind dann kann man
Glück haben dass es noch umgesetzt wird für Android
oder es bleibt dabei dass es diese App
dann nur für Apple gibt also das kann durchaus passieren
die großen Hersteller Microsoft
und so weiter die machen natürlich für alle Plattformen
stellen ihre Apps zur Verfügung das ist ganz klar
genau wie gesagt
weitere Fragen wir sind dann bei unserem Stand
damit wir hier die Zeit gut kurz halten danke danke
ja ne ne jetzt bitte
bitte die Zeit einhalten weil alle anderen nachher
nach dem Abendessen hier sein müssen sonst gut
ich werde mich auch kurz fassen mein Bericht
ist eigentlich
eher ein Erfahrungsbericht aus meiner eigenen Sicht
um den Leuten vielleicht Mut zu machen oder
anzuregen nicht aufzugeben
also es ist bei mir eigentlich
relativ so dass ich eine
Augenerkrankung hatte eine pathologische Myopie
frühgeburtlich erblindet bin links
und rechts alle Grade der Sehbehinderung durchgemacht
habe da Kurzsichtigkeit
mit dem verlängerten Auge
bis hin zur Netzhautablösung 2003
und weil das nicht gereicht hat 2010 eine CNV
vergleichbar mit der Makuladegeneration
ja was macht man nun ich war
zu dem Zeitpunkt auswärts gearbeitet
das Sehvermögen ließ drastisch nach was macht man nun ja
für die Arbeit
hab ich praktisch
eine Anpassung von Arbeitsmitteln beim BEV bekommen
damals mit Topolino gearbeitet
mit Bildschirmlesegerät und noch mit einem Nokia
N86 mit gigantischen 8 Megapixel Bildkamera
aber schon mit KNFB Reader
selbst habe ich mich aber selbst
organisiert es war praktisch so dass ich 2010
Anschluss an die PRO RETINA
Regionalgruppe Dresden gefunden habe
dort Ermutigung gefunden habe
und man muss sagen die
Selbsthilfegruppen sind eben eine große Chance
gemeinsam nach Lösungen zu suchen oder Hilfe zu finden
oder auch Hinweise zu bekommen auf Studien aller Art
so gelangte ich 2011 über eine Uni
über das Universitätsklinikum Tübingen zu einer Studie
die untersuchte wie blinde
oder Sehbehinderte
Menschen mit synthetischer Sprache zurechtkommen
das hat mir
stark geholfen gerade mit dieser Sprache klarzukommen
Bücher zu lesen Zeitschriften zu lesen
rechtzeitig auf PDFs umzusteigen und
das hat mir praktisch das Leben erleichtert Technik ist
eben wirklich ein Schritt auch zur Selbstständigkeit
oder zumindest den Alltag zu meistern und damit umzugehen
2013 kam für mich der große Umbruch mein Sohn
vererbte mir sein iPhone 4s
das war ein Quantensprung schon allein die VoiceOver-
Technologie und ich bin konsequent
auf Apple Technologie umgestiegen
ich nutze seitdem also ein iPhone
derzeit ein iPhone 15 Plus da
Markus hat schon einige Apps geschildert die genutzt werden
ich nutze sehr viel Bücher-Apps Lese-
Apps einen KNFB Reader zum Beispiel den nutzt man kaum noch
den Voice Dream Reader
der verbunden worden ist mit dem
Voice Dream Scanner mit dem man eben
Bücher oder Dokumente aller Art lesen kann
die Navigations-App
und ich möchte aber auch sagen
dass die Beschäftigung mit dem iPhone
trotzdem Herausforderung bleibt
man muss wie Markus schon richtig
sagt immer spielbereit sein und das nutzen
ich bin inzwischen verrentet
und weil das Sehvermögen
so schlecht geworden ist dass es für die Arbeit nicht mehr
reicht bin ich voll in die
Ehrenamtstätigkeit bei der
PRO RETINA und im örtlichen Blindenverband eingestiegen
und meine hauptsächlichen Hilfsmittel sind das iPhone
und das MacBook
mit beiden komme ich sehr gut zurecht
beim MacBook nutze ich ebenso wie auf dem iPhone
inzwischen die KI
Möglichkeiten
wie zum Beispiel ChatGPT oder Copilot
diese beiden Technologien sind sehr gut
und vor allen Dingen im Umgang mit Texten sind sie
eigentlich fast unschlagbar aber Vorsicht
man sollte diesem ChatGPT nicht so sehr vertrauen
also zwei kleine Beispiele wer
schon längere Zeit ein iPhone nutzt da war es so dass 2023
ein Problem gab mit der Software beim Vorlesen
immer bei Großbuchstaben Homograf angesagt wurde
nichts liegt näher
als dass ich mal ChatGPT frage wie ich mir das
beheben kann und die zeigt mir einen Weg
zu einem Menü zu dem ich hin sollte
und einen Punkt ausschalten sollte alles gut
und schön erklärt das Problem
war nur das Menü gab es gar nicht
auf mehrfaches Nachfragen
hat es mir dann ChatGPT kleinlaut gestanden
nein ich kann nicht helfen also nicht nur
Augen auf beim Eierkauf sondern auch im Umgang mit diesen
KIs konkrete Fragen
Quellenangaben helfen da weiter
ein zweites kleines Beispiel ich will dann abschließen
eine Buchzusammenfassung wollte ich erreichen über Chat-
GPT hat eine wunderbare Buchzusammenfassung kreiert
das Programm allerdings nicht zu dem Buch sondern zu einem
imaginären Buch was es gar nicht gab
aber auch dort hilft ebenso
konkret fragen
vielleicht nach dem Vorwort fragen
und wo kriegt man seine Antwort
im Großen und Ganzen ich möchte das jetzt mal abkürzen
möchte ich euch ermutigen seid
mutig verbindet euch verknüpft euch
nutzt Selbsthilfegruppen oder Berater wie uns
um nicht aufzugeben
und sich dann immer praktisch auch mit der Technik
seinen Alltag zurückzuerobern Teilhabe zurückzuerobern
und praktisch Detailarbeit am Leben
damit ende ich schon und möchte euch Mut machen danke
wir hoffen der Vortrag hat Ihnen gefallen
mehr Informationen finden Sie unter sightcity.net/F031008
vielen Dank und bis zur nächsten SightCity