SightCity Forum 2026: Ganzheitliche Versorgungsstützpunkte & interdisziplinäre Diagnostik für Menschen mit Sinnesbehinderungen - Projekt GaVid
26.08.2026 29 min
Video zur Episode
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Zusammenfassung & Show Notes
Sehen und Hören werden im Gesundheitssystem meist getrennt untersucht – für Menschen mit Taubblindheit oder Hörsehbehinderung ist das ein echtes Problem. Das Projekt GaVid Sinne baut an vier Standorten in Deutschland Diagnostik- und Versorgungsstützpunkte auf, an denen beide Sinne gemeinsam untersucht werden. Tabea Sadowski und Dr. Stefanie Holzapfel erklären auf der SightCity 2026, wie das Projekt funktioniert, für wen es gedacht ist und wie man dorthin kommt. Aufgezeichnet am 27. Mai 2026.
Was GaVid Sinne ist und wer es fördert (00:00:00)
GaVid steht für „Ganzheitliche Versorgungsstützpunkte und interdisziplinäre Diagnostik" – ausgesprochen „wie David, nur mit G". Das Projekt läuft von September 2024 bis August 2027 und wird über den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert. Der G-BA ist das Gremium aus Ärzten, Krankenhäusern, Krankenkassen und Patientenvertretungen, das unter anderem entscheidet, welche Leistungen die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen. Der Innovationsfonds fördert gezielt Projekte, die Versorgungslücken schließen und das Potenzial haben, dauerhaft Teil der Regelversorgung zu werden.
Das Problem, an dem GaVid ansetzt: Sehen und Hören werden in Diagnostik und Versorgung noch immer getrennt betrachtet. Es gibt Hilfsmittel fürs Hören und Hilfsmittel fürs Sehen – aber Taubblindheit und Hörsehbehinderung sind eine Behinderung eigener Art. Betroffene müssen beides selbst zusammenbringen. Dazu fehlt es an fachlichen Ressourcen, vor allem am Wissen und Können in der Kommunikation mit Menschen mit Beeinträchtigung beider Fernsinne.
Die Versorgungslücke: fehlende Diagnostik und Anlaufstellen (00:04:18)
Viele Menschen mit komplexen Behinderungen sind noch nie auf Sehen oder Hören untersucht worden. Ohne Diagnostik können Hilfsmittel nicht adäquat verschrieben oder angepasst werden. Es fehlen zudem klare Anlaufstellen, die Orientierung im Medizinsystem geben und systematisch aufklären: Arztbriefe listen ICD-10-Codes und medizinische Begriffe, aber was das für das Leben bedeutet, bleibt oft offen. Medizin und Pädagogik müssen enger verzahnt werden.
Projektpartner, Stützpunkte und wissenschaftliche Begleitung (00:05:42)
Facheinrichtungen und Universitätskliniken haben sich zusammengeschlossen:
- Facheinrichtungen: Deutsches Taubblindenwerk (Konsortialführung), Blindeninstitutsstiftung, Nikolauspflege
- Kliniken: Medizinische Hochschule Hannover, Charité Berlin, Universitätskliniken Würzburg und Tübingen
- Standorte der Diagnostik- und Versorgungsstützpunkte (DVSP): Hannover, Berlin, Würzburg, Stuttgart
Die Stützpunkte sind den Facheinrichtungen zugeordnet und arbeiten unter ärztlicher Verantwortung der jeweiligen Universitätsklinik. Interdisziplinäre Teams führen Vorbefunde zusammen und bereiten Klinik-Termine vor – das nimmt Patientinnen und Patienten Ängste und macht die Termine effizienter.
Weitere Partner: die AOK Baden-Württemberg (Modelle für den Übergang in die Regelversorgung), die DAK-Gesundheit, der Selbsthilfeverband Verein Leben mit Usher-Syndrom e. V.; in Planung Kooperationen mit dem Oberlinhaus Potsdam und der Stiftung Sankt Franziskus Heiligenbronn. Ein Projektbeirat aus Selbsthilfe, Pädagogik, Krankenkassen, Eingliederungshilfe und Wissenschaft begleitet das Projekt. Die Evaluation übernimmt das Institut für Versorgungsforschung und Rehabilitationsforschung des Universitätsklinikums Freiburg.
Für wen GaVid Sinne da ist (00:10:00)
Für alle Altersgruppen – vom Baby bis zum Senior – mit Hörsehbehinderung, Taubblindheit oder entsprechendem Verdacht: also auch, wenn bei bestehender Sehbehinderung das Hören schlechter wird, bei Gehörlosigkeit das Sehen nachlässt oder beides altersbedingt abnimmt. Besonders relevant für Menschen, deren Seh- und Hörvermögen wegen weiterer Beeinträchtigungen nie oder nur unzureichend untersucht wurde – oft aus kommunikativen Gründen.
Die Rahmenbedingungen: kein festes Einzugsgebiet (Patienten wählen den Standort selbst), keine ärztliche Überweisung nötig, das Angebot ist kostenfrei. Einzige Voraussetzung ist eine gesetzliche Krankenversicherung.
Drei Fallbeispiele (00:12:37)
- Ein Schüler mit komplexer Behinderung und bestehender Sehbeeinträchtigung zeigt vermehrt autoaggressives Verhalten und reagiert oft nicht auf Ansprache – liegt zusätzlich eine Hörbeeinträchtigung vor?
- Eine Realschülerin trägt seit Jahren Hörgeräte, stößt sich neuerdings an Türrahmen und Möbeln und kann dem Volleyball nicht mehr folgen – steckt hinter dem Rückzug mehr als die Hörstörung?
- Eine Erwachsene mit Usher-Syndrom Typ 2 hat gute Ärzte für CI-, Hörgeräteversorgung und Erblindungsprozess, schafft aber die Koordination der vielen Arzttermine nicht mehr.
Der Ablauf: von der Anmeldung bis zur Fallbesprechung (00:14:27)
- Kontakt telefonisch oder per E-Mail (Kontaktdaten auf dem Flyer und auf www.gavid-sinne.de)
- Erstgespräch telefonisch, digital oder in Präsenz – Anliegen, Fragestellung und Bedarf klären
- Anmeldeunterlagen plus Informationen zur Evaluationsstudie (Fragebogen vor Beginn und sechs Monate nach der Behandlung; eine zufällig ausgewählte Kontrollgruppe startet erst nach dem zweiten Erhebungszeitpunkt)
- Gespräch zur Erfassung des Teilhabebedarfs anhand eines am ICF Core Set für Taubblindheit erstellten Fragebogens
- Wöchentliche interdisziplinäre Fallbesprechung mit den Ärztinnen und Ärzten der örtlichen Augen- und HNO-Klinik – hier wird entschieden, ob es zuerst an den Stützpunkt oder direkt in die Klinik geht. Weil die Unikliniken Projektpartner sind, stehen für GaVid-Patienten zusätzliche zeitliche Ressourcen und damit kürzere Wartezeiten zur Verfügung.
- Untersuchung am Stützpunkt – immer zwei Mitarbeiterinnen gemeinsam für Sehen und Hören, unter Berücksichtigung der Beeinträchtigung des jeweils anderen Sinnes und der vorhandenen Kommunikationsmöglichkeiten
- Rückkopplung der Ergebnisse an Patientinnen, Angehörige und Bezugspersonen – und damit beginnt der Kreislauf erneut
Eingebettet ist das Ganze in ein Netzwerk aus Beratungsstellen, Hilfsmittelanbietern, Selbsthilfegruppen und Assistenzdiensten.
Warum GaVid Sinne wichtig ist (00:20:50)
Die Diagnose ist die Grundlage für passgenaue Versorgung und angemessene Förder- und Unterstützungsangebote. Eine an den alltagsrelevanten Auswirkungen orientierte Diagnostik hilft, Verhaltensweisen besser zu verstehen und Fehlinterpretationen von Verhalten zu vermeiden – und kann das Energie- und Belastungsniveau stabilisieren. Auch für Menschen mit bereits bestehenden Diagnosen bietet GaVid Orientierung im Medizinsystem und nimmt sich Zeit, die Bedeutung und Auswirkung von Befunden zu erklären. Gerade bei progredienten Verläufen sind regelmäßige Kontrollen der Seh- und Hörfähigkeit nötig, um Hilfsmittel laufend anzupassen.
Hinweis: Zum Zeitpunkt des Vortrags konnten noch bis Ende September Patientinnen und Patienten neu aufgenommen werden – kostenfrei.
Fragen aus dem Publikum (00:24:35)
- Wartezeiten: Die Wartelisten sind sehr kurz. Nach einer Meldung erfolgt der Rückruf meist binnen weniger Tage; ein Kliniktermin dauert etwa zwei bis vier Wochen statt der sonst üblichen fünf bis sechs Monate.
- Privat Versicherte: Sie können nicht eingeschlossen werden, weil das Projekt über den Innovationsfonds für die gesetzliche Krankenversicherung finanziert wird. Erst wenn GaVid Sinne in die Regelversorgung überführt wird, schließen sich private Versicherer erfahrungsgemäß an.
- Psychosoziale Beratung: ist Teil des Angebots, im Team arbeiten auch Psychologen – gebunden an die Teilnahme am Projekt.
Kontakt und Links
- Projekt GaVid Sinne: https://www.gavid-sinne.de
- Standorte: Hannover, Berlin, Würzburg, Stuttgart
- Vortragsseite: https://sightcity.net/F031005
- SightCity: https://sightcity.net
Über die SightCity
Die SightCity ist Europas größte Fachmesse für Blinden- und Sehbehinderten-Hilfsmittel. Mehr Informationen: www.sightcity.net
SightCity Kontakt (Allgemein)
E-Mail: info@sightcity.net
Website: https://www.sightcity.net
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Transkript
hallo herzlich willkommen zum
Mitschnitt des Forums vom 27.05.2026
ganzheitliche Versorgungsstützpunkte und
interdisziplinäre
Diagnostik für Menschen mit Sinnesbehinderungen
Projekt GaVid
Referentinnen Tabea Sadowski Doktor Stefanie Holzapfel
viel Spaß mit dem Vortrag
also ein herzliches hallo von unserer Seite ich bin
Tabea Sadowski und eben meine Kollegin die Stefanie
Holzapfel und wir freuen uns dass wir
Ihnen heute hier im Rahmen der SightCity
das Projekt GaVid Sinne vorstellen dürfen ein Projekt
das die Lücke in der Diagnostik und Versorgung des Sehens
und Hörens für Menschen mit Taubblindheit
Hörsehbehinderung im deutschen Gesundheitswesen schließen soll
ja GaVid Sinne steht dabei
für ganzheitliche Versorgungsstützpunkte
und interdisziplinäre Diagnostik
weil das so lang ist
haben wir es abgekürzt auf GaVid
also wie David wie der Name nur mit G
und wir sind ein Projekt mit einer ganzen ganzen Vielzahl
an unterschiedlichen Partnern
und wie diese Partner
zusammenarbeiten
und was das für eine Bedeutung für das Projekt hat das
wollen wir Ihnen jetzt
eben in den nächsten
20 Minuten mit Ihnen dann auch
und den Möglichkeiten Fragen zu stellen präsentieren
ich würde zunächst was zu unserem Rahmen sagen
und zwar ist das Projekt
auf genau drei Jahre angelegt und wir sind schon gestartet
im 09.24 und haben noch eine Laufzeit bis Ende 08.27
und wir werden gefördert über den
Innovationsfonds des Gemeinsamen
Bundesausschusses und wer
ihn vielleicht kennt der
Gemeinsame Bundesausschuss ist ein Gremium
aus Ärzten aus Krankenhäusern
Krankenkassen und Patientenvertretungen
und dieses Gremium entscheidet unter anderem
welche medizinischen
Leistungen von gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden
und der Innovationsfonds dieses Gemeinsamen Bundesausschusses
fördert eben Projekte die bestehende Versorgungslücken
im deutschen Gesundheitssystem
schließen sollen
und das ist eben der wichtige Zusatz das Potenzial haben
nicht nur kurzfristig eben für diese Projektlaufzeit
nicht zu wirken
sondern langfristig auch Teil der Regelversorgung zu werden
das heißt dass wir
das was wir jetzt im Rahmen des Projektes aufbauen
auch langfristig so etablieren können
dass wir Menschen mit Taubblindheit Hörsehbehinderung
oder einem Verdacht darauf
langfristig besser versorgen können
denn das hatte eben die Sabine Kampmann schon
angemerkt dass Sehen und Hören
einfach in der Diagnostik und Versorgung
immer noch oft
getrennt voneinander betrachtet wird
also entweder das Sehen
oder das Hören und Betroffene müssen eben
beides selbst zusammenbringen und die Folge
ist auch dass
natürlich dass es dann
Hilfsmittel fürs Hören und Hilfsmittel fürs Sehen
gibt aber Taubblindheit
Hörsehbehinderung ist
ja eine Behinderung eigener Art
und deshalb braucht es
da eben auch noch mal etwas ganz Spezielles
und gleichzeitig gilt es
an ganz ganz vielen
Stellen natürlich an organisatorischen zeitlichen
personellen und ganz besonders aber auch an
fachlichen Ressourcen und damit meine ich vor allem
das Wissen und das Können
in der Kommunikation mit Menschen
mit Beeinträchtigung beider Fernsinne
und eben auch mit Menschen das kommt noch dazu mit
weiteren Beeinträchtigungen
also Menschen mit komplexen Behinderungen
bei denen eben auch
eine Hör- oder eine Hörsehbehinderung folgen kann ja
ja genau darüber hinaus gibt es natürlich
eben auch jetzt bezogen auf diesen letztgenannten
Personenkreis viele viele Menschen
bei denen noch nie
das Sehen oder Hören überprüft wurde
eben aufgrund der Komplexität ihrer Beeinträchtigungen
und was dann eben zur Folge hat
wenn wir keine Diagnostik haben oder keine ausreichend
gute Diagnostik das Hilfsmittel dementsprechend
nicht adäquat
verschrieben oder auch angepasst werden
und es fehlt eindeutig an klaren Anlaufstellen also Orte
die Orientierung in diesem
Medizinsystem geben
und auch eine systematische und
kontinuierliche
Aufklärung ermöglichen vor allem im Hinblick
auf Diagnosen und was die Diagnosen bedeuten
auf Diagnosebögen oder Arztbriefen
haben Sie immer eine ganz lange schöne Auflistung von ICD-10-
Codes und irgendwelchen
medizinischen Begriffen
dahinter aber was das jetzt letztendlich bedeutet
welche Auswirkung das
auf das Leben hat auf die Langfristigkeit
das bleibt
oft offen und genau dafür
wollen wir eben sorgen dass das nicht weiter so passiert
ja um also genau auch hier anzusetzen und da
eine Veränderung zu bringen
wie gesagt müssen
Medizin und Pädagogik noch enger miteinander verzahnt
werden und ineinander greifen
und genau deshalb haben sich eben
ganz ganz viele
verschiedene Partner in Deutschland zusammengeschlossen
zum einen Facheinrichtungen für Menschen mit
Taubblindheit Hörsehbehinderung
und zum anderen Universitätskliniken
und von Seiten der Facheinrichtungen sind das das Deutsche
Taubblindenwerk
bei denen auch die Konsortialführung liegt
dann die Blindeninstitutsstiftung und die Nikolauspflege
und von Seiten der Kliniken
sind das die medizinische Hochschule Hannover
die Charité in Berlin und die Universitätskliniken Würzburg
und Tübingen
gemeinsam
konnten wir inzwischen an 4 Standorten in Deutschland
nämlich in Hannover und in Berlin
in Würzburg und Stuttgart
Diagnostik und Versorgungsstützpunkte
die werden bei uns als DVSP abgekürzt aufbauen
diese Versorgungsstützpunkte
sind den Facheinrichtungen zugeordnet und arbeiten
unter ärztlicher
Verantwortung der jeweiligen Universitätsklinik
an den Stützpunkten arbeiten interdisziplinäre Teams
jeweils mit Expertise im Bereich sehen und hören
hier werden bestehende Vorbefunde zusammengeführt
gesichtet und in Abstimmung mit den Ärztinnen und Ärzten
erste Untersuchungen durchgeführt
um somit dann auch die Patientinnen und Patienten
bestmöglich auf einen Termin in der Klinik vorzubereiten ja
das hat nämlich den enormen
Vorteil dass durch diese Vorbereitung Ängste und
Unsicherheiten
auf Seiten der Patienten abgebaut werden können
aber auch die Klinik im Hinblick auf die Bedarfe
der Patienten bestmöglich vorbereitet sein kann
das heißt dass die Termine
in der Klinik dann gezielt genutzt werden können
und effizient gestaltet werden
gleichzeitig werden aber auch die Patientinnen und Patienten
besser eingebunden
aufgeklärt und dann noch im Prozess begleitet
und diese Stützpunkte unterstützen auch bei der Vernetzung
zum Beispiel mit der Selbsthilfe
Hilfsmittelanbietern
oder Beratungsstellen zu sozialrechtlichen
oder weiteren Fragen ja
ein weiterer wichtiger Partner ist
heute ist die AOK Baden-Württemberg
sie unterstützt uns insbesondere
bei der Entwicklung
von Modellen für den Übergang in die Regelversorgung
und um GaVid gut aufzubauen
und auch nachhaltig weiterzuentwickeln
erhalten wir darüber hinaus
engagierte Unterstützung durch Kooperationspartner wie die
DAK-Gesundheit
oder auch dem Selbsthilfeverband Verein Leben
mit Usher-Syndrom e. V.
in Planung stehen auch weitere Kooperationen
unter anderem mit dem Oberlinhaus in Potsdam
oder der Stiftung Sankt Franziskus in Heiligenbronn
und nicht zuletzt dann sind wir ganz stolz drauf
begleitet uns ein Projektbeirat
mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Selbsthilfe
der Pädagogik
den Krankenkassen
der Eingliederungshilfe und auch der Wissenschaft
und auch die geben wichtige
Impulse für die
Weiterentwicklung und Bekanntmachung des Projektes
damit GaVid Sinne
nicht auf die Projektlaufzeit begrenzt bleibt sondern
langfristig Teil
der Regelversorgung werden kann
wird es wissenschaftlich begleitet
so können nämlich am Ende
belastbare Aussagen dazu getroffen werden OB
und wie sich die gesundheitsbezogene Lebensqualität
der Patientinnen und Patienten verbessert
und OB sich ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben
verändert hat
diese
Ergebnisse sind eine wichtige Grundlage für eine mögliche
dauerhafte Finanzierung
die Evaluation
erfolgt durch das Institut für Versorgungsforschung
und Rehabilitationsforschung
des Universitätsklinikums Freiburg
genau
nachdem wir jetzt so ein bisschen was zum Rahmen gehört haben
soll es jetzt ein bisschen konkreter werden und zwar für wen
genau ist GaVid
wir richten uns an alle Menschen unabhängig von ihrem Alter
also vom Baby bis zum Senior
die eine hörsehbehinderung haben oder eine taubblindheit
oder bei denen ein entsprechender Verdacht besteht
also entweder
Menschen bei denen schon eine Diagnose besteht
oder bei denen
zum Beispiel eine
Sehbehinderung vorliegt und das Hören schlechter wird
oder bei denen eine
Hörbehinderung oder Gehörlosigkeit besteht und das Sehen
schlechter wird oder auch beides aufgrund des Alters
schlechter wird
also bei allen Menschen
wo einfach der Verdacht besteht oder wo es klar ist da
da liegt etwas vor
ja besonders relevant ist GaVid
auch für Menschen bei denen Seh-
und Hörvermögen eben aufgrund weiterer Beeinträchtigungen
bisher noch nicht
untersucht wurden oder unzureichend
also die noch nie eine Diagnose
oder eine Untersuchung im Sehen und Hören
ja wo das noch nicht erfolgt ist
ja häufig hat das auch kommunikative Ursachen
ja darüber hinaus ist die Nutzung von GaVid aber
nicht nur altersunabhängig sondern auch ortsunabhängig
also es gibt kein festes Einzugsgebiet das heißt
wir haben auch Patienten
die kommen eigentlich aus Baden-
Württemberg und melden sich bei unserem Standort in Berlin
oder andersrum oder aus NRW
die sagen ach die wie war das
die Mama die wohnt
in Berlin dann gehe ich lieber nach Berlin
also das ist alles möglich wir haben keine
keine Zuordnung das ist
eben den Patientinnen und Patienten selbst überlassen
darüber hinaus brauchen wir erst mal keine
ärztliche Überweisung um Kontakt
zu uns aufzunehmen und auch zu uns
an die DVSP zu kommen
und das Angebot ist kostenfrei die einzige
Voraussetzung die wir haben weil wir eben über diesen
Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses
finanziert werden
dass eine gesetzliche Krankenversicherung bestehen muss
um es
ein bisschen anschaulicher noch für Sie zu machen haben wir
3 exemplarische Beispiele mitgebracht
mit Fragestellungen und Anliegen
mit denen Patientinnen und Patienten
zu uns kommen
wir begleiten einen Schüler
mit komplexer
Behinderung und bestehender Sehbeeinträchtigung
in letzter Zeit zeigt er vermehrt autoaggressives Verhalten
zudem haben wir bemerkt
dass er auf unsere Ansprache häufig gar nicht reagiert
deshalb haben wir uns gefragt ob bei ihm
eventuell auch eine Hörbeeinträchtigung vorliegt
ein weiteres Beispiel
unsere Tochter geht in die Realschule und trägt seit Jahren
Hörgeräte mit denen sie
eigentlich immer ganz gut zurechtgekommen ist
in letzter Zeit fällt uns aber auf dass sie sich häufiger
gegen Türrahmen
oder an Möbeln stößt
außerdem hat sie früher sehr gerne Volleyball gespielt
wird dabei aber immer frustrierter
weil sie dem Ball offenbar nicht mehr richtig folgen kann
sie wirkt deswegen zunehmend
niedergeschlagen und zieht sich mehr zurück
wir fragen uns
kann das alles mit ihrer Hörstörung zusammenhängen oder
steckt vielleicht noch etwas anderes dahinter
mit meiner Diagnose
Usher-Syndrom Typ 2 habe ich mich eigentlich so weit arrangiert
und gute Ärzte
die mich in meiner CI- und Hörgeräteversorgung
sowie im Erblindungsprozess begleiten
aber auch durch das zunehmende Alter
merke ich dass es mir immer schwerer fällt meinen
Alltag zu bewältigen
ich habe so viele Arzttermine
und es gibt einiges zu koordinieren
welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es für mich danke
genau das sind Fragestellungen mit denen sich Betroffene
Angehörige oder auch Bezugspersonen bei uns melden können
aber wie geht das eigentlich genau
wir haben das versucht hier mal den
Ablauf schematisch ein bisschen darzustellen
wer Kontakt aufnehmen
sich anmelden oder auch erstmal
klären möchte ob GaVid
die richtige Adresse für seinen Bedarf ist kann das
telefonisch oder per E-Mail tun ja
die Kontaktdaten
finden sich zum Beispiel auf den
Flyer die wir mitgebracht haben und auch gerne
hier noch verteilen
oder auch auf unserer Homepage die nennt sich
www.gavid-sinne.de
dann machen wir einen gemeinsamen Termin für ein
Erstgespräch aus das wir telefonisch
digital
oder auf Wunsch
natürlich auch in Präsenz
vor Ort an unseren Stützpunkten durchführen können
im Erstgespräch werden dann die ersten Daten
erfasst also hier geht es darum die Anliegen
die Fragestellung
und vor allem den konkreten Bedarf zu klären
und über den Prozess also den Ablauf und die Evaluation
aufzuklären
anschließend
erhalten die Patientinnen und Patienten alle relevanten
Anmeldeunterlagen
zusammen mit den Informationen
zu unserer Evaluationsstudie
in der Studie
füllen die Teilnehmerinnen
Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Fragebogen aus einmal
vor Beginn und dann nach sechs Monaten nach der Behandlung
es gibt auch eine Kontrollgruppe
die zufällig ausgewählt wird
und diese füllt den Fragebogen ebenfalls zweimal aus
aber bei denen
beginnt die Behandlung
erst nach dem zweiten
Erhebungszeitpunkt das ist der Bereich der Evaluation
unabhängig von der
Evaluationsstudie beginnt der direkte Behandlungsprozess
mit einem Gespräch zur Erfassung des Teilhabe-
bedarfs und wir haben ja vorher schon gehört dass die
Teilhabe ein ganz wichtiger Aspekt ist
wir gucken uns das an unter der Berücksichtigung
aller Informationen aus den vorhandenen Vorbefunden
die uns aus den Anmeldeunterlagen zugestellt werden
und dieses Gespräch kann erneut entweder telefonisch
digital oder persönlich stattfinden
und hier geht es darum die Fragestellung also das Anliegen
des Patienten
anhand eines am ICF Core Set
für Taubblindheit erstellten Fragebogens zu konkretisieren
die erhobenen Daten werden
anschließend in einer wöchentlichen interdisziplinären
Fallbesprechung
gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten der jeweils
örtlichen Augen- und
HNO-Klinik besprochen die sind sogar teilweise hier anwesend
dort wird entschieden
ob die Patientin
oder der Patient zunächst
zu uns an den Diagnostik- und Versorgungsstützpunkt kommt
oder direkt an die Klinik geht
da die Unikliniken Partner im Projekt sind
haben sie für GaVid-
Patienten zusätzliche zeitliche Ressourcen
was unter anderem für verkürzte
Wartezeiten sorgt also durchaus attraktiv ist
im Anschluss werden die Patienten dann von uns
kontaktiert und über das Ergebnis
also über das weitere Vorgehen informiert
und die Termine werden miteinander abgestimmt
kommt jemand
zuerst an den Diagnostik- und Versorgungsstützpunkt
untersuchen immer jeweils zwei Mitarbeiterinnen
gemeinsam Sehen und Hören
und immer unter
der Berücksichtigung der Beeinträchtigung des jeweils
anderen Sinnes
und der vorhandenen Kommunikationsmöglichkeiten ja
dadurch bereiten wir
die auf den Termin
bei einer anschließenden Diagnostik in der Klinik vor
beziehungsweise nach
außerdem nehmen wir uns Zeit alle Ergebnisse und Befunde
sowie den weiteren Weg
gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten ihren
Angehörigen oder auch den Bezugspersonen zu besprechen
und damit's 1 bisschen anschaulicher wird
haben wir 1 paar Bilder mitgebracht und
wir sehen hier
zwei Fotos aus der praktischen Arbeit
im Stützpunkt in Hannover
auf denen zu sehen ist dass immer 2 Personen
gemeinsam mit dem Patienten arbeiten
und durchaus gemeinsam viel Freude haben
auf den nächsten Bildern
sieht man die Audiometrie-Räume also die Räume
wo das Hören überprüft werden kann hier
jetzt ausgewählt für die Standorte Hannover
und Würzburg und Stuttgart
und man sieht dass das alles ziemlich ähnlich aussieht
also bin ich gar nicht so traurig
dass wir jetzt vom
Stützpunkt in Berlin gar kein Bild
dabei haben da sieht es sowieso ähnlich aus
und dann haben wir noch einen weiteren
Eindruck mitgebracht von den Räumlichkeiten
hier zu sehen ist der Eingangsbereich
also alles größtmögliche Räumlichkeiten
ein Raum zum Überprüfen des Sehens
hier jetzt ausgewählt für den Bereich in Stuttgart und den
Wartebereich so dass man erst mal in Ruhe auch ankommen kann
wenn man eine längere Anreise hatte
nachdem ein Patient oder eine Patientin hier vorstellig wurde
gehen die Erkenntnisse wieder in die
interdisziplinäre Fallbesprechung ein
deren Ergebnis wir im Anschluss erneut
an den Patienten oder an die Patientin
zurückkoppeln und den weiteren Prozess besprechen
und so beginnt ein Kreislauf an Terminen am Diagnostik-
und Versorgungsstützpunkt und der Klinik immer
zwischengeschaltet von der interdisziplinären Abstimmung
und Rückkopplung an die Patientinnen und Patienten
eingebettet
ist das Angebot in ein Netzwerk aus Beratungsstellen
Hilfsmittelanbietern
Selbsthilfegruppen
und Assistenzdiensten
so dass die Patientinnen und Patienten
rundum unterstützt werden solange der Bedarf besteht
zum Abschluss
wird meine Kollegin
noch mal kurz zusammenfassen warum GaVid
Sinne jetzt so wichtig ist
ja genau
einfach weil wir eben die Möglichkeit der interdisziplinären
Diagnostik ermöglichen
und was vor allem auch Personen betrifft bei denen
bislang noch keine
ausreichende Befundlage des Seh- und Hörvermögens erfolgt ist
beispielsweise eben im Kontext von komplexen
Beeinträchtigungen
denn die Diagnose bildet die Grundlage
für eine passgenaue Versorgung sowie
für angemessene Förder- und Unterstützungsangebote
ebenso wenn wir eine
Diagnostik haben orientiert an den
alltagsrelevanten Auswirkungen
können wir Verhaltensweisen besser verstehen
es ist möglich viele
Interpretationen
von Verhalten dadurch zu reduzieren oder zu vermeiden
und auch Unterstützungsangebote
und Fördermöglichkeiten dementsprechend darauf abzustimmen
außerdem ist wenn genau das eben erfolgt
ist es möglich auch das ganze Energie- und Belastungsniveau
zu stabilisieren und auch zu erhöhen
wichtig ist dass GaVid Sinne aber auch für Menschen ist
eben bei denen bestehende
Diagnosen und Befunde oder auch aktuelle Befunde vorliegen
und da bieten wir einfach auch eine Unterstützung
in der Orientierung im Medizinsystem
und nehmen uns auch Zeit Fragen
zur Bedeutung und zur Auswirkung von Diagnosen
ausführlich zu beantworten
das heißt wir als DVSP als
Diagnostik- und Versorgungsstützpunkt verstehen uns auch als
Schnittstelle
zwischen verschiedenen Akteuren und wollen eben langfristig
wenn wir es schaffen in eine Regelversorgung zu kommen
eine dauerhafte Anbindung an ein Netzwerk aus Ärztinnen
Ärzten und Fachkräften beitragen
die eben für die Belange dieses Personenkreises
für Menschen mit Taubblindheit Hörsehbehinderung
sensibilisiert sind
denn das ist vor allem auch bei
progredienten
also voranschreitenden Verläufen so wichtig denn
hier braucht es ja regelmäßige Kontrollen des Sehens
oder der Seh- und Hörfähigkeit
um immer wieder auch Hilfsmittel
und Unterstützungsangebote
entsprechend der aktuellen Bedarfe anzupassen
und bei all dem
geht es für uns immer um die alltagsrelevanten Auswirkungen
eben der doppelten Sinnesbeeinträchtigung
für mehr Informationen
besuchen Sie es hat meine Kollegin schon gesagt
unsere Homepage
die finden sie über
www.gavid-sinne.de
aber auch über unseren
QR-Code und den QR-Code
finden Sie auch auf unserem Flyer den Sie sich gerne
hier vorne noch mitnehmen können
oder auch an den Ständen vom deutschen
oder auch an den Ständen vom Deutschen
Taubblindenwerk der Nikolauspflege
oder der Blindeninstitutsstiftung finden können
was uns noch wichtig ist wir sind ein Projekt und aktuell
ist es so dass wir noch bis Ende September
dieses Jahres Patienten neu aufnehmen können
und das kostenfrei danke ja
und für weitere Fragen genau
freue ich mich wenn Sie diese
jetzt an uns richten oder dann im Nachgang an den Vortrag ja
seid ihr fertig ja vielen lieben Dank Tabea und Steffi
für den Vortrag
vielen lieben Dank
ich
denke mir was noch mal ganz wichtig
ist wirklich dafür auch zu sensibilisieren
dass ihr noch
die Möglichkeit habt Patienten aufzunehmen
oder jemand der sich
bei euch anmelden kann weil das ist ja auch wichtig
auch natürlich für dann für die Weiterführung des Projektes
gibt es von Ihnen jetzt noch Fragen
ja
ja eine Frage können wir noch zulassen
und dann liegen wir wieder super in der Zeit ja
hallo mein Name ist Annette Simmit
ich bin seit meiner frühesten Kindheit
hörbehindert
ich bin geburtsblind weil ich eine Frühgeburt war
und ich wollt mal fragen
wie lang sind die Wartelisten
ich kann da
darf ich mal ich möchte jetzt
melde mich jetzt morgen bei Ihnen
in Hannover im dortigen Taubblindenwerk
und lasse da eine Untersuchung machen
wie lange muss ich da warten wie lang sind die Wartelisten
bis man da aufgenommen wird danke
ja der Vorteil bei uns ist wir haben ganz geringe
Wartelisten also wenn Sie sich morgen melden
dann wird sich bestimmt übermorgen oder spätestens
in der nächsten Woche schon jemand bei Ihnen melden
und mit ihnen den weiteren Prozess besprechen wenn sie dann
eingebunden sind und auch einen kliniktermin brauchen dann
dann dauert es vielleicht zwei drei vier Wochen
aber eben keine fünf sechs Monate oder darüber hinaus
das ist eben das Schöne dass wir jetzt diese Förderung
haben und auch kliniktermine
schneller verfügbar sind weil einfach
dort der entsprechende Rahmen gegeben ist also
und genau so das was Sie jetzt von Fachärzten gewohnt sind
das ist bei uns
aktuell noch nicht der Fall
ja bei mir ist es so ich bin
Glaukom-geschädigt als Kind schon verkehrt operiert worden
und dahingehend
ist auch das Hören bei mir
doch beeinträchtigt aber auch erst seit
vielleicht jetzt 15 Jahren ging es los
ich bin aber jetzt seit ungefähr 2000
privat versichert
privat versichert bin ich jetzt schon seit 2000
ungefähr ja
und ich habe gerade gehört dass es
bei uns dass es kostenfrei ist
was kann ich denn sonst
so machen damit ich da irgendwie auch ein bisschen ja
ich bin auch taub bin
unter taubblind eingestuft
also ich habe einen Ausweis drum und dran
obwohl ich normalerweise so
mit dem Hören recht gut ich bin mit dem Hören schon recht gut
zurechtkomme
weil ich ja die Hörgeräte schon sehr gut eingestellt habe
bekommen vom Akustiker
und machen Sie da auch eine psychische
Betreuung oder so dass man
irgendwie da besser zurechtkommt oder wie funktioniert das
ganze das waren ganz schön viele Fragen zusammen
also die erste Frage ist die wo
jetzt mal die Menschen mit der privaten Krankenversicherung
gerade nicht so richtig viel Glück haben
die haben ja sonst
so manchmal den Vorteil bei den facharztterminen dass sie
schneller sind bei uns sind sie nicht schneller
weil wir dürfen sie einfach nicht einschließen
Sie können natürlich die Daumen drücken dass GaVid
Sinne zu einer Regelversorgung wird im Gesundheitssystem
und dann ist es häufig so dass auch die privaten
Krankenversicherungen sich dann
dem anschließen
aber das wird nicht bis zum September sein
die zweite Frage war wie kann ich noch Unterstützung
finden sicherlich können Sie uns auch
adressieren aber auch die anderen
die wir jetzt im
vorherigen Vortragsblock schon gehört haben werden
ihnen ganz sicher Tipps geben wo man hingehen kann
und wo man noch Unterstützung bekommen kann
da gibt es ja hier auch einige Stände auf der SightCity
selbst die dazu Informationen gibt
und die psychische beziehungsweise
psychosoziale Beratung
ist bei uns auch Teil
mit drin wir haben in unserem Team auch Psychologen
sind da auch ganz dankbar drum
aber natürlich
das ist es auch
wieder gebunden an die Mitgliedschaft oder die Teilnahme am
GaVid-Projekt
im Sinne auch der gesetzlichen Krankenversicherung
drei Fragen wow vielen Dank für Ihre Fragen
wir hoffen der Vortrag hat Ihnen gefallen
mehr Informationen finden Sie unter sightcity.net/F031005
vielen Dank und bis zur nächsten SightCity bis dann