SightCity Podcast (DE)

Der deutschsprachige Teil unseres zweisprachigen Messe-Podcasts mit Fachvorträgen, Interviews und Innovationen für mehr Inklusion.

SightCity Forum 2026: Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche mit Sehbehinderung: Erkenntnisse und Herausforderungen

21.09.2026 30 min

Video zur Episode

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Zusammenfassung & Show Notes

Sonja Gerth von der Unabhängigen Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs stellt beim SightCity Forum die Arbeit der Kommission vor und erklärt anhand aktueller Studienzahlen, warum blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche einem erhöhten Risiko sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Ein Forumsbeitrag von der SightCity 2026. 

Begrüßung & Vorstellung: Sonja Gerth und die Unabhängige Kommission 
Sonja Gerth arbeitet im Büro der Unabhängigen Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Die Kommission besteht aus sieben ehrenamtlichen Mitgliedern, darunter Stefan Rixen (Professor für öffentliches Recht), Barbara Kavemann (Professorin für Sozialwissenschaften), Rieke Hoffmann (Professorin, ehemalige Kinderkrankenschwester), Julia Gebrande (Vorsitzende, Professorin für Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Menschen mit Behinderungen), Matthias Katsch (Philosoph, Berater und selbst Betroffener), sowie eine Traumatherapeutin und der Sozialpsychologe Heiner Kolb. Im Büro arbeiten 10 Personen, bundesweit kommen 20 Anhörungsbeauftragte hinzu.

Ziele und Arbeitsweise der Aufarbeitungskommission 
Die Kommission untersucht Ausmaß, Art und Folgen sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche seit 1945 in der DDR und der Bundesrepublik, in allen gesellschaftlichen Bereichen. Ziel ist es, Strukturen zu identifizieren, die Missbrauch, Ausbleiben von Hilfe und Vertuschung ermöglicht haben, erwachsenen Betroffenen das Sprechen jenseits von Gerichtssälen und Therapieräumen zu ermöglichen, gesellschaftliche Anerkennung für erlittenes Unrecht zu schaffen, Aufarbeitungsprozesse zu unterstützen und zu kontrollieren sowie Forschung zu initiieren. Betroffene können sich für eine rund zweistündige vertrauliche Anhörung melden oder einen schriftlichen Bericht einreichen; die Kommission führt außerdem Gespräche mit Zeitzeug:innen und Fachkräften, veranstaltet öffentliche Hearings und betreibt ein Geschichtenportal mit über 140 veröffentlichten Berichten. Menschen mit Behinderungen sind seit 2021 ein Schwerpunkt der Kommissionsarbeit; Angebote in Leichter Sprache und Deutscher Gebärdensprache werden kontinuierlich ausgebaut.

Zahlen und Fakten: Sexuelle Gewalt gegen Menschen mit Behinderung 
Seit 2016 hat die Kommission 2.259 vertrauliche Anhörungen und 6 öffentliche Hearings durchgeführt sowie 859 schriftliche Berichte erhalten. Laut einer vom Bundessozialministerium in Auftrag gegebenen Studie hat jede zweite bis vierte Frau mit Behinderung sexuelle Übergriffe in Kindheit und Jugend erlebt; 20 bis 34 Prozent erlebten sexuellen Missbrauch durch Erwachsene – 2- bis 3-mal häufiger als im Bevölkerungsdurchschnitt. Blinde Frauen sind mit 40 Prozent die am zweithäufigsten betroffene Gruppe nach gehörlosen Frauen. Bei 21 bis 43 Prozent setzten sich die Übergriffe im Erwachsenenleben fort. Zur Betroffenheit von Männern mit Behinderung ist die Datenlage bislang unzureichend; die Kommission geht jedoch von einem deutlich erhöhten Risiko aus.

Begriffsklärungen und Triggerwarnung 
Vor der Begriffsklärung spricht Gerth eine Triggerwarnung aus und verweist auf die Möglichkeit, den Raum zu verlassen oder eine Pause einzulegen, sowie auf das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch. Sie erläutert, warum in der Fachwelt zunehmend von „sexualisierter Gewalt" statt „sexuellem Missbrauch" gesprochen wird (Machtausübung statt sexuellem Interesse als Kern des Phänomens), grenzt Belästigung, Nötigung und Vergewaltigung ab, erklärt das Konzept der Intersektionalität anhand sich überschneidender Diskriminierungsmerkmale sowie den Begriff Paternalismus (Bevormundung aus vermeintlicher Fürsorge).

Publikumsabstimmung: Drei Fragen zum Mitdenken 
Mit Handzeichen beantwortet das Publikum drei Fragen: ob ein erhöhtes Risiko für blinde/sehbehinderte Menschen bekannt ist, wer schon einmal miterlebt hat, dass eine blinde Person gegen ihren Willen angefasst wurde, und ein hypothetisches Schulszenario (eine junge Schülerin verschwindet mit einem deutlich älteren Jugendlichen auf der Schultoilette) – auf das am Ende des Vortrags noch einmal zurückgekommen wird.

Warum das Risiko für blinde und sehbehinderte Kinder erhöht ist 
Genannte strukturelle Faktoren: Abhängigkeit von körpernaher Assistenz (z. B. beim Führen), die schwer von Übergriffen abzugrenzen ist; die Unmöglichkeit, Blicke des Gegenübers zu kontrollieren; Abhängigkeit vom Wohlwollen von Bezugspersonen und der daraus entstehende Loyalitätskonflikt; ein durch ständige Fremdversorgung des Körpers erschwertes Körperbewusstsein; erschwerter Zugang zu Aufklärung über Körper und Sexualität; erschwerte Abwehr und Verteidigung; angezweifelte Glaubwürdigkeit vor Gericht und Behörden; sowie ein Mangel an barrierefreien Hilfe- und Beschwerdeangeboten.

Publikumsfragen: Justiz, Polizei und Therapie während laufender Verfahren 
Themen der Fragerunde: der Wunsch nach einer gesellschaftlichen Instanz, die unabhängig von individueller Anklage urteilt, sowie aktuelle Fortschritte bei kindgerechter Justiz (Childhood-Häuser, in denen Polizei, Sozialarbeit und Therapie ein Kind gemeinsam statt mehrfach befragen); die historisch mangelhafte Schulung von Polizei und Jugendamt im Umgang mit behinderten Betroffenen; sowie die Frage, ob während eines laufenden Strafverfahrens therapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden darf (die Kommission empfiehlt meist, den Strafprozess abzuwarten, verweist aber auf ein zunehmendes Umdenken der Gerichte in dieser Frage).

Der Fall SOS-Kinderdorf, Valerias Geschichte und Appell zum Schluss 
Auf eine Publikumsfrage zu Vorwürfen gegen SOS-Kinderdorf bestätigt Gerth, dass dort nach ihrer Einschätzung systematischer Missbrauch stattgefunden hat, und ordnet dies in die Arbeit der Kommission ein. Zum Abschluss löst sie das eingangs gestellte Schulszenario auf: Es handelt sich um die reale Geschichte der blinden Betroffenen Valeria, deren Schulleiter trotz Beobachtung nichts unternahm. Gerth ruft dazu auf, sich nicht von dem Bild täuschen zu lassen, in Einrichtungen für behinderte Menschen gehe es grundsätzlich sicher zu, und wirbt für die Mitarbeit an einer ab September geplanten Aufklärungskampagne der Kommission, die sich gezielt an Menschen mit Behinderungen richtet.

Weitere Informationen: https://sightcity.net/f032008

Bei eigener Betroffenheit: Hilfetelefon Sexueller Missbrauch, bundesweit, kostenfrei, anonym: 0800 22 55 530 (auch online über schreib-ollie.de).

Über die SightCity
Die SightCity ist Europas größte Fachmesse für Blinden- und Sehbehinderten-Hilfsmittel. Mehr Informationen: www.sightcity.net

SightCity Kontakt (Allgemein)
E-Mail: info@sightcity.net
Website: https://www.sightcity.net
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Transkript

herzlich willkommen zum Mitschnitt des Forums vom 28.05.2026 Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche mit Sehbehinderung Erkenntnisse und Herausforderung Referentin: Sonja Gerth. Viel Spaß mit dem Vortrag. hallo schön dass sie da geblieben sind ich kann Mir schon denken dass der Pfleger wahrscheinlich n bisschen attraktiver war für das Publikum aber ich freue mich über alle die hier sind und auch über diejenigen die den Vortrag vielleicht noch nachschauen Mein Name ist Sonja Gerth ich arbeite im Büro der unabhängigen Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs und werd Ihnen mal ganz kurz vorstellen was heute so Mein Plan is was ich Ihnen vorstellen will einmal stell ich Ihnen natürlich die Aufarbeitungskommission vor falls sie von der noch nichts gehört haben und dann werde ich Ihnen über die Erkenntnisse die die Aufarbeitungskommission zu sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche mit sehbehinderungen hat berichten und ich hab ihnen auch eine Geschichte von einer Blinden Betroffenen mitgebracht und falls sie sich danach fragen was sie selbst auch tun können dann hab ich Ihnen am Ende noch ein paar Hinweise mit ins Gepäck gepackt, danke ja fangen wir mal an mit der unabhängigen Kommission das hier ist ein Foto der Kommission, auf der 7 ältere Herrschaften dargestellt auf dem 7 ältere Herrschaften dargestellt sind die freundlich in die Kamera lächeln das sind die ehrenamtlichen Mitglieder der Aufarbeitungskommission und zwar ist das Stefan Rixen er ist Professor für öffentliches recht an der Uni zu Köln Barbara kavemann sie ist Professorin für Sozialwissenschaften Rieke Hoffmann sie ist auch Professorin für Sozialwissenschaften und sie arbeitet auch als sie hat als Kinderkrankenschwester angefangen zu arbeiten und ist eine Uniklinik Ulm im Zentrum sehen wir Julia Gebrande das ist die Vorsitzende der Aufarbeitungskommission sie ist Professorin für soziale Arbeit in Esslingen und sie hat auch den Schwerpunkt Menschen mit Behinderungen also sexuelle Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen und dann sind außerdem noch Mitglied Matthias katch er ist Philosoph und Berater und auch selbst Betroffener eine weitere Person sie ist Traumatherapeutin und Heiner Kolb ist Sozialpsychologe danke und wichtig ist vielleicht noch zu wissen dass bei uns im Büro 10 Personen der Kommission zu arbeiten und dass wir aber im bundesgebiet in ganz Deutschland insgesamt mit 20 anhörungsbeauftragten zusammenarbeiten die also deutschlandweit vertrauliche Gespräche für die Kommission durchführen hallo was sind die Ziele der Aufarbeitungskommission die Ausmaß Art und folgen der sexuellen Gewalt gegen Kinder und Jugendliche seit 1945 in der DDR und in der Bundesrepublik zu untersuchen und zwar in Allen Bereichen also ob das die Familie ist die Kirchen Sport Schule es können alle Bereiche sein in denen die Kommission tätig wird wir wollen Strukturen identifizieren die den Missbrauch das Ausbleiben von Hilfe und auch möglicherweise das vertuschen ermöglicht haben und wir wollen heute Erwachsenen Betroffenen das sprechen ermöglichen jenseits von Gerichtssälen und auch Therapieräumen das ist für uns das Wichtigste Betroffene stehen bei uns im Mittelpunkt unserer Arbeit danke und wir wollen dafür sorgen dass es eine gesellschaftliche Anerkennung gibt für das Unrecht und das leid das Betroffene von sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend erfahren mussten ja außerdem unterstützen wir bei aufarbeitungsprozessen und sollen künftig dass es unsere Aufgabe nach einem neuen Gesetz dass es seit dem letzten Jahr gibt sollen diese Prozesse auch kontrollieren und wir initiieren auch Forschung ja ja wie gehen wir vor ich hab ja schon gesagt die Betroffenen stehen im Zentrum unserer Arbeit und deswegen hören wir ihnen als 1. zu also das heißt Betroffene können sich bei uns melden und können einen Termin vereinbaren und können dann bundesweit mehr oder weniger in der Nähe ihres wohnorts eine vertrauliche Anhörung mit uns durchführen das heißt uns ungefähr 2 Stunden lang einmal ihre komplette missbrauchsgeschichte erzählen ihre Lebensgeschichte und auch welche folgen das für sie gehabt hat außerdem werten wir auch schriftliche berichte aus sie können uns also auch in einem ruhigen Moment eine E Mail schreiben und uns alles aufschreiben wir haben doch so n paar leitfragen falls sie die benötigen zur Stütze sozusagen auf unserer Webseite und können uns eben einfach den den Bericht zuschicken und wenn sie damit einverstanden sind wenn die Betroffenen damit einverstanden sind dann nutzen wir die Erkenntnisse die sie uns mitgeben auch und die Berichte fließen dann in Fallstudien, die wir dann wiederum veröffentlichen und an Politik und Gesellschaft weiterreichen außerdem machen wir Gespräche mit weiteren Zeitzeugen Fachkräften beispielsweise Angehörigen wir haben werkstattgespräche mit Experten und wir führen auch öffentliche hearings durch das heißt wir machen ne große öffentliche Veranstaltung wo Betroffene die Bühne erhalten und in einem gesicherten Rahmen über ihre eigene missbrauchsgeschichte sprechen können und Institutionen verantwortliche müssen dann eben zuhören mal und müssen sich anhören was mit den Betroffenen damals geschehen ist außerdem initiieren wir wie ich schon gesagt hab forschungsprojekte Expertise und Fallstudien und haben auch ein Geschichtenportal das heißt wir haben eine Webseite auf der wir mittlerweile über 140 Berichte von Betroffenen gesammelt haben und und die kann man sich dadurch lesen und die Berichte die dort zu lesen sind sind auch aus den verschiedensten Bereichen also Familie Kirche Sport Schule und so weiter danke ja wie denken wir Menschen mit Behinderungen mit Menschen mit Behinderungen sind auf jeden Fall seit 2021 spätestens ein Schwerpunkt der Arbeit der Kommission und wir bemühen uns ich sage nicht dass wir absolut barrierefrei sind ich weiß nicht wer das für sich einen Anspruch nehmen könnte wir versuchen auf jeden Fall immer besser zu werden unsere Webseite unsere Publikationen sind soweit wie möglich barrierefrei wir versuchen auch immer wieder möglichst unsere leichte Sprache Angebote zu erweitern und auch die deutsche Gebärdensprache anzubieten wir haben beispielsweise auch die möglich wir bieten die Möglichkeit dass man auch mit ner dolmetschung uns berichten kann und wir sind auf jeden Fall immer offen für Anregung und Kritik ich hab auch meine Visitenkarte dabei also wenn sie auf unserer Webseite waren und noch was zu bemängeln haben dann können sie sich sehr gerne bei Mir melden ja, ich hab noch ein paar Zahlen mitgebracht auf dieser Folie und zwar hat die Kommission seit 2.016 seit es sie gibt 2.259 vertrauliche Anhörungen durchgeführt überwiegend mit Betroffenen auch mit ein paar Zeitzeuginnen also Menschen die nicht selbst betroffen waren sondern beispielsweise Angehörige waren deren Kinder im Sportverein das erlebt haben wir haben 859 schriftliche berichte erhalten und wir haben 6 öffentliche Rings durchgeführt das sind Veranstaltungen die wirklich immer ungefähr 1 Jahr vorbereitet werden das ist unser Logo und unser claim Geschichten die zählen und deswegen kleine Pause weil ich jetzt übergehe zu den Ergebnissen danke sie haben eine Frage können wir die Fragen vielleicht sammeln und ich habe am Ende meines Vortrags das hab ich eben auch vergessen zu sagen auch für diejenigen die vielleicht im Chat noch ne Frage haben einen Raum für die Fragen eingeräumt sozusagen und würde die dann gerne gesammelt beantworten wie konnte es soweit kommen noch dazu in einer Einrichtung bei der besonders zu schützende Kinder und Jugendliche aufgrund ihrer Schwerbehinderung untergebracht sind fragt eine Betroffene das ist eine Person die sich bei uns gemeldet hat sein Zitat sexuelle Übergriffe in Kindheit und Jugend hat jede 2. bis 4. Frau mit Behinderung erlebt sexuelle Missbrauch in Kindheit und Jugend durch Erwachsene haben 20 bis 34 Prozent der Frauen mit Behinderung erlebt sie waren damit 2 bis dreimal häufiger betroffen als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt blinde Frauen waren mit 40 Prozent besonders häufig betroffen die am zweithäufigsten Betroffene Gruppe nach den Gehörlosen Frauen und diese erzwungenen sexuellen Handlungen haben sich dann häufig auch im Erwachsenen Leben fortgesetzt 21 bis 43 Prozent haben der Frauen mit Behinderung haben angegeben dass sie das auch im Erwachsenen lebenden erleben mussten diese Zahlen beziehen sich hab ich aus einer Studie die vom bundessozialministerium in Auftrag gegeben worden is und noch ein kurzer Kommentar zu den Männern wir haben leider eine sehr schlechte Datenlage aber wir als Kommission gehen davon Aus dass das Risiko auch für Männer mit Behinderung und auch für blinde Männer deutlich erhöht ist ich komme zu begriffsklärungen wir haben jetzt hier so 4 Quadrate wo ich ein paar Begriffe drin habe und ich möchte dazu noch ne kurze Warnung aussprechen falls sie selbst beispielsweise betroffen sind falls sie hier im Saal sind haben sie natürlich jederzeit die Möglichkeit auch den Raum zu verlassen wenn sie sich nicht wohlfühlen bei einer bestimmten Schilderung und auch wenn sie am Bildschirm sitzen und den Vortrag nachhören dann bitte ich sie wenn sie sich nicht wohlfühlen sehr gerne eine Pause einlegen sich vielleicht jemanden Anders noch dazu holen mit dem man sich vielleicht wohler fühlt das durchzuhören oder eben auch abzubrechen es gibt auch das Hilfetelefon sexueller Missbrauch bei dem sie sich an sehr vielen Wochentagen auch spontan melden können und das hat donnerstags beispielsweise heute bei der SightCity ab 15 Uhr Sprechzeiten ja also ich sag noch mal kurz was zu den begriffen sexueller Missbrauch ist wahrscheinlich jedem ein Begriff aber an diesem Begriff gibt es auch Kritik weil gesagt wird Missbrauch heißt das dass es auch einen richtigen G brauch gibt von Kindern und das ist ja vielleicht auch nicht gerade die richtige Formulierung deswegen wird in der Fachwelt sehr häufig von sexueller Gewalt oder sexualisierter Gewalt gesprochen und ja Gewalt da denken viele Menschen dass damit eben auch physische Gewalt zusammenhängt aber wir sprechen auch von sexualisierter Gewalt wenn das Opfer beispielsweise erstarrt und sich überhaupt nicht wehrt und ja weiß ich nicht manche Menschen würden dann vielleicht sagen dass dann keine Gewalt stattgefunden hat in dem Sinne ja aber die fachszene hat die Erkenntnis gewonnen dass diese Form der Gewalt eben häufig gar nich aus sexuellen Interesse stattfindet sondern vor allem aus macht ausgründen sozusagen also es ist eine Form der Ausübung von macht und deswegen gibt es dieses Wort sexualisierte Gewalt was eigentlich andeuten soll dass es eben eine machtausübung eine Gewaltausübung in Form von sexuelle Gewalt ist danke dann gibt es noch die Wörter Belästigung Nötigung und Vergewaltigung also Belästigung und Nötigung das sind alle Formen von unerwünschten Berührungen beispielsweise dann verbale Belästigung also anzügliche Witze zum Beispiel dann nonverbale Belästigung das ist wichtig da komm ich auch gleich noch zu im im Bereich Sehbehinderung also beispielsweise anzügliche Blicke oder Gesten ja und soweit zu den begriffen ja dann möchte ich noch etwas sagen zum erhöhten Risiko von sexualisierter Gewalt hier haben wir eine Folie mit einer Grafik wieder und vorweg möchte ich sagen dass es egal welche Person es trifft sexualisierte Gewalt ist immer schlimm und ist immer eine Menschenrechtsverletzung aber für manche Menschen ist das Risiko erhöht Opfer von sexueller Gewalt zu werden und zwar hängt das zusammen damit dass sie vielleicht auch in anderen Bereichen Diskriminierung erlebt haben beispielsweise aufgrund ihres Alters aufgrund ihrer Herkunft aufgrund ihrer sozialen Schicht oder auch aufgrund ihrer Behinderung und das macht diese Grafik deutlich wo wir verschiedenfarbige Linien haben, die jeweils für ein Merkmal stehen also zum Beispiel Alter oder Behinderung und diese Linien überschneiden sich das nennt sich das Modell nennt sich halt Intersektionalität und das bedeutet zum Beispiel ja ich ah geht wieder danke schön das bedeutet zusammenfasst gefasst wenn ich eine blinde schwarze Frau bin dann ist das Risiko sexuelle Gewalt zu erleiden höher als wenn ich 1 ich ein nicht behinderter weißer Mann bin und vielleicht auch sind meine Ressourcen begrenzt da sag ich jetzt mal diese sexuelle Gewalt zu bewältigen danke diese Folie geht und dieser Folie geht es noch einmal um die gesellschaftlichen Dimensionen da will ich nur kurz dazu sagen dass die Kommission Behinderung nicht als defizitäres Merkmal sieht sondern sich da auch an der selbsthilfebewegung orientiert also wir sind nicht behindert wir werden behindert und diese höhere Verletzlichkeit hat eben auch was damit zu tun dass die Gesellschaft es nicht schafft Barrieren zu beseitigen die Teilhabe ermöglichen und dass die Gesellschaft in dass es in der Gesellschaft Zuschreibung gibt eben für Menschen mit Behinderung die eben auch dazu beitragen dass Menschen mit Behinderung eine erhöhte Verletzlichkeit haben danke so hier kommen wir noch mal zu dem Wort Paternalismus das werden vielleicht einige im Raum auch ganz gut Kennen das leitet sich vom Wort paternalis väterlich oder Vater Vater AB und steht eigentlich für Bevormundung ich weiß am besten was für dich gut ist das heißt eine Person die gegen den Willen aber auf das vermeintliche wohl einer Person ausgerichtet etwas unternimmt also wenn ich jetzt als Angehörige oder Assistenz oder so irgendetwas für eine Person tue die da vielleicht eigentlich hm gar nicht so wirklich etwas möchte aber die andere Person in dem Fall ja vielleicht abhängig von Mir is dann sprechen wir eben von Paternalismus ja so diese Folie überspring ich jetzt mal und komm jetzt mal zu den Gründen für eine erhöhte Gefährdung von Blinden Kindern und Jugendlichen und dazu möchte ich sie gerne auffordern kurz mitzumachen und in einer kleinen Abstimmung mit 3 Fragen ja und ich würde sie bitten wenn sie möchten den Arm kurz zu heben bei wenn sie der Meinung sind dass die Antwort auf meine Frage ja lautet glauben Sie dass blinde und Sehbehinderte Menschen ein erhöhtes Risiko haben Opfer von sexueller Gewalt zu werden das sind jetzt glaub ich alle im Raum und meine 2. Frage wäre wer hat schon einmal mitbekommen dass eine blinde Person gegen ihren Willen angefasst wurde also nicht sexuell unbedingt sondern eher so übergriffig ja gerade sind schon so 56 Personen und die 3. Frage ist stellen sie sich vor sie sind Lehrkraft an einer Blindenschule ein sehr junges Mädchen in der 7. Klasse ist mit einem Achtzehnjährigen befreundet beziehungsweise in einer Beziehung sie bekommen mit wie die beiden zusammen auf der Schultoilette verschwinden wer hier im Saal hätte dabei ein komisches Bauchgefühl und da heben doch wieder alle die Hand ja vielen Dank fürs mitmachen zu dieser Situation werden wir am Ende meines Vortrags noch mal kommen danke was sind die Gründe für eine erhöhte Gefährdung von blind und Jugendlichen einmal sie könnten beispielsweise auf Hilfestellungen Assistenz angewiesen sein also Situationen wie zum Beispiel das führen haben ja mit Berührung und engen Körperkontakt zu tun und könnten von Tätern oder Täterinnen für sexuelle Übergriffe genutzt werden das ist auch schwierig für die Betroffenen zu erkennen was ist eine Hilfestellung und was ist schon ein sexueller Übergriff also wenn man beispielsweise oder an der Brust entlang streicht ja sie können im blicken des gegenüber nicht ansehen ob sie sie gerade gedanklich ausziehen und sich dann auch schwerer schützen zum Beispiel vor blicken unter den Rock oder in den Ausschnitt danke sie können abhängig sein vom Wohlwollen der Bezugsperson da besteht dann auch immer so ein Konflikt bei Kindern und Jugendlichen Dankbarkeit und Loyalität die Person hilft Mir ja oder assistiert Mir und gleichzeitig macht sie irgendwas mit Mir was ich nicht möchte wie verhalt ich mich jetzt danke ja dann gibt es die alltägliche Erfahrung für viele dass andere den Körper den Körper versorgen oder versorgen müssen und die Folge kann sein dass es kein ausgewogenes Körpergefühl gibt und die Person nicht wissen Mein Körper gehört Mir und ich kann selbst über mich bestimmen danke ja und dann ist auch noch ein mögliches Problem der Umgang is somit Erotik und Optik sozusagen kann ein fehlender positiver Zugang zum eigenen Körper sein die Tabuisierung von Sexualität ein geringes Selbstwertgefühl und Unsicherheiten mit der nonverbalen Kommunikation also wie ich ja eben schon erwähnt habe es gibt natürlich dann Menschen die nonverbal sozusagen übergriffig Mir gegenüber werden indem sie Mir irgendwo hingucken oder so und es könnte sein dass ich das dann vielleicht nicht bemerke ja ja dann gibt es oft zu wenig wissen über den Körper und über die Sexualität und natürlich auch eine Sehnsucht von Menschen nach Zärtlichkeit und Sexualität das ausgenutzt werden kann ja im Allgemeinen kann man noch mal sagen dass eben Mädchen und Jungen mit Behinderung oder mit Beeinträchtigung gefährdeter sein könnten weil Abwehr und Widerstand nicht deutlich genug sind nicht gemacht werden können oder nicht kenntlich ist sie wirken wehrloser sie können sich vielleicht schlechter verteidigen wenn sie beispielsweise im Rollstuhl sitzen wegrennen ist auch nicht immer eine eine Möglichkeit beispielsweise ja dann wird die Glaubwürdigkeit eher angezweifelt beispielsweise das Vorurteil dass Täter nicht zweifelsfrei identifiziert werden können das hat uns auch schon jemand berichtet dass zum Beispiel eine blinde Person von der Polizei gefragt wurde ja du kannst ja gar nicht zweifelsfrei sagen dass der Mensch das war weil du kann hast die Person ja nicht gesehen dann gibt es nur wenige barrierefreie und leicht zugängliche hilfeangebote und Beschwerde Management Scham und Schuldgefühle und all das kann eben dazu führen dass die Menschen dass die Kinder und Jugendlichen nicht nur in ihrer Kindheit das erleben sondern dass sie manchmal auch eben solche toxischen und schwierigen Verhältnisse eben zu anderen Personen auch im Erwachsenen Alter erleben müssen danke so jetzt bin ich bei den Fragen und Anmerkungen angekommen und würde fragen ob's hier im Raum oder aus dem Chat noch Fragen gibt erstmal vielen Dank Frau Gerth vielen Dank gibt es Fragen von ihnen ja ich hab mal ne Frage und zwar ist das ne juristische Frage und wenn ich jetzt als Kind missbraucht werde oder falsch angefasst werde oder was auch immer hab ich das Gefühl dass das Kind allein in dem Moment alleine steht weil es muss alleine anklagen es muss alleine sagen jawohl der hat mich angefasst der war's und und und was mir ein bisschen fehlt bei der ganzen Sache bei Kindesmissbrauch ist wenn ich jetzt zum Beispiel an das Märchen Hänsel und Gretel denke keiner kein Kind ärgert sich darüber dass Kekse verbrennt obwohl das natürlich schlimm ist aber sie identifizieren sich mit ihren ihres gleichen mit den anderen Kindern und ich sag warum es gibt's da nicht eine Instanz sag ich die sagt hören mal zu es gibt eine Kinderwelt es gibt eine Erwachsenenwelt und wenn ein Erwachsener in eine Kinderwelt einbricht dann ist es so schlimm dann gehört es auf meine Sicht schon verurteilt ohne dass da das Kind oder sonst jemand ne Anklage stellen muss ich dachte das müsste eigentlich ne Sammelklage sein ja na gut also das ist bei uns im Strafsystem ich bin jetzt auch keine Juristin aber im Strafsystem natürlich schon so dass wir müssen tatsächlich in individuelle Fälle da behandelt werden müssen und man nich einen großen Schirm über alles spannen kann aber immerhin kann ich Ihnen mitteilen dass es in den letzten Jahren schon einige Fortschritte gegeben hat zu dem was wir sozusagen kindgerechte Justiz nennen das heißt dass beispielsweise es in Deutschland jetzt auch mehr und mehr sogenannte Childhood-Häuser gibt das sind Häuser, wo beispielsweise, wenn ein Kind aus einer aus einer Familie herausgeholt worden ist und festgestellt wo er der Verdacht besteht dass es dort Missbrauch gab dann könnte es in so ein Childhood-Haus gebracht werden und dann sind dort alle Fachkräfte gemeinsam also beispielsweise Polizei Sozialarbeit Therapie und die befragen das Kind gemeinsam und entscheiden gemeinsam darüber wie es weitergeht so dass das Kind nicht erst zu der Institution gereicht hingereicht wird dann zu der nächsten Institution und jedes mal wieder aussagen muss und das würden wir uns natürlich wünschen dass eben diese kindgerechte Justiz auch weiter fortentwickelt wird ja da hinten ist noch eine Frage ja ja also ich kann auch aus eigener Erfahrung und auch Aus Erfahrung anderer sagen dass oft die Polizei oder auch das Jugendamt bisher früher das jetzt ist es schon besser geworden aber in den Neunzigern waren die überhaupt nicht geschult und haben auch behinderte Menschen oder behinderte Jugendliche gar nicht für Ernst genommen ja das haben wir auch Gott sei Dank schon viel getan aber es muss noch viel gemacht werden ja dafür setzen wir uns auch ein denn das haben uns auch viele Betroffene berichtet dass sie nicht Ernst genommen wurden ja hallo ich hab noch eine Frage aus dem Chat ja okay und zwar wenn man sich noch in einem Laufenden juristischen Verfahren befindet wird einem ja strikt untersagt sich in therapeutische Hilfe zu begeben oder sich generell professionelle Hilfe zu suchen darf man sie sich dennoch an sie wenden oder soll bis zum verfahrensabschluss gewartet werden tatsächlich ist es so dass wir als Aufarbeitungskommission häufig sagen warten sie erstmal den Strafprozess ab bevor sie sich sozusagen mit der Aufarbeitung befassen weil wir sozusagen da erst dahinter geschaltet sind sag ich jetzt mal so ich kann ihnen aber sagen dass im Bereich der Therapie auch da gerade ein Umdenken stattfindet früher war es so dass die Gerichte gesagt haben ach sie haben jetzt schon angefangen also das Kind hat jetzt schon angefangen Therapie zu machen da hat der im Therapeut ihr doch bestimmt irgendwas eingeflüstert oder so und deswegen kann's jetzt hier keine wahrhaftige Aussage mehr treffen da findet aber doch mittlerweile n um umdenken statt weil diese Verfahren ja sehr Lange dauern und für n Kind was bedeuten 2 Jahre wenn es 2 Jahre keine Therapie erhalten kann nach einem Missbrauch bevor der Prozess wirklich anfängt und ich hoffe dass sich da noch einiges ändert hallo hallo hallo vielen Dank die 6 Veranstaltungen die ist die 6 Veranstaltungen die sie immer wieder machen was was meint sie damit diese ich weiß nicht mal wie sie genau gesagt haben wollen ja was ist das eigentlich genau das sind öffentliche hearings das bedeutet also ich hab ja gesagt sind erst 6 gewesen seit 2.016 das sind Veranstaltungen die wir in der letzten Zeit auch tatsächlich über Livestream übertragen haben die man also auch eben aus anderen teilen Deutschlands dann mitverfolgen kann und die eigentlich den ganzen Tag gehen und wo wir immer wieder Betroffene auf dem Podium haben die ihre Geschichte berichten aus ihr von ihrer Geschichte berichten und und das alles mit dem Fokus auf einen speziellen Themenbereich also beispielsweise hatten wir im letzten Jahr unser letztes Hearing zum Thema heimerziehung und im Moment ist aber noch kein neues Hearing geplant also sie die sind nicht ganz so oft die hearings ja gut eine letzte Frage lassen wir noch zu genau dann war nämlich gut in der Zeit ja ja ich würde gerne ihre persönliche Meinung zu den Geschehnissen bei SOS Kinder davon mal hören weil ich bin jemand der hat da immer gerne hingespendet und ich hab mittlerweile fragen ob ob's da mit rechten Dingen zugeht also ich ich ich glaube ich lehn mich jetzt nicht zu weit aus dem Fenster wenn ich Ihnen sage dass es nicht mit rechten Dingen zugegangen ist ich glaube das ist relativ gut belegt dass es dort leider systematischen Missbrauch gegeben hat und und auch grade von diesem großspender und auch vom Gründer und ja für uns ist natürlich wichtig dass es eine Aufarbeitung dieser Fälle gegeben hat und da liefern sie Mir auch schon ne gute Vorlage für das Ende meines Vortrags denn wir als Aufarbeitungskommission setzen uns natürlich dafür ein, dass solche Fälle untersucht werden systematisch dass es eine Kommission gibt die da reingeht die sich alle Akten anguckt alle Archive anguckt die mit den Betroffenen spricht die auch mit den heutigen Verantwortlichen spricht und die ne Studie dazu macht was ist damals alles falsch gelaufen und daraus lernen wir für die Zukunft aus den Geschichten der Betroffenen können wir etwas machen um den Kinderschutz in der Zukunft eben zu verbessern und dann könnt ich ihnen vielleicht noch das Zitat von Valeria von der Geschichte ich komm jetzt nicht mehr ganz dazu die Situation auf dem Schulklo zu aufzulösen ich kann ihnen aber sagen dass der Schulleiter der das beobachtet hat leider nichts gemacht hat in ihrem Fall oft hat man das Bild davon dass es in Einrichtung für behinderte Menschenrecht ordentlich zugeht aber da täuscht sich die Gesellschaft das gibt uns Valeria mit auf dem Weg und ich geb ihnen den QR Code mit ich habe wenn sie jetzt vom Publikum Aus zur Bühne gehen auf der rechten Seite auf dem Tisch hab ich ausgelegt ein kleines Zettelchen mit QR Code zu unseren Webseiten zu der Geschichte von Valeria auch 2 Flyer von der Kommission und meine Visitenkarten sie können mich natürlich auch gerne noch ansprechen und ich schicke schon mal in den Raum dass wir als Kommission in diesem Jahr auch eine große Kampagne geplant haben die ab September ausgespielt wird wo wir speziell Menschen mit Behinderungen ansprechen wollen und wo wir ihrer Institution den Bereich wo sie arbeiten den Bereich wo sie tätig sind gerne Materialien zuschicken Poster zum Beispiel zum aufhängen und wir würden uns sehr über ihre mithilfe hallo wir hoffen der Vortrag hat ihnen gefallen Mehr Informationen finden Sie unter sightcity.net/F032008. vielen Dank und bis zur nächsten SightCity