SightCity Forum 2026: Warum Licht anschalten, wenn es auch Kerzen gibt? (F031007)
31.08.2026 20 min
Video zur Episode
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Zusammenfassung & Show Notes
Draußen nutzen blinde und sehbehinderte Menschen selbstverständlich digitale Navigation – im Gebäude wird wieder das Türschild abgetastet. Stefan Wilke von der Quickstep GmbH fragt auf der SightCity 2026, welches Phänomen dahintersteckt, und findet die Antwort nicht in der Technik, sondern in Gewohnheit, Kontrollverlust und symbolischer Sichtbarkeit. Sein Plädoyer: Kerze und Licht nebeneinander – und ein Rollenwechsel von der Mängelmeldung zur Mitgestaltung. Mit einer engagierten Gegenrede aus dem Publikum. Aufgezeichnet am 27. Mai 2026.
Warum Licht anschalten, wenn es auch Kerzen gibt? (00:00:00)
Die Ausgangsfrage des Vortrags: Was hindert uns daran, außerhalb von Gebäuden Google Maps und andere digitale Hilfen zu benutzen – und innerhalb von Gebäuden in alte Muster zu verfallen, obwohl es auch dort Lösungen gibt?
Gewohnheit, Neuheit und Kontrollverlust (00:01:21)
Drei Mechanismen: Wir vertrauen dem, was wir bereits nutzen, und stehen Neuem kritisch gegenüber – meist, weil wir es noch nicht ausprobiert haben. Wir bleiben beim Bekannten, obwohl bessere Lösungen verfügbar sind. Und wir fürchten den Kontrollverlust: Im Bisherigen kennen wir uns aus – taktile Leitsysteme nutzen, Türschilder auf Punktschrift abtasten, Menschen fragen. Wer das aufgibt, hat das Gefühl, Kompetenz zu verlieren. Dazu das Bewertungsmuster „haben wir immer schon so gemacht", auch wenn es nachweislich ineffizient ist – etwa wenn man ein taktiles Modell erst einmal finden muss.
Spezifische Phänomene bei Blindheit und Sehbehinderung (00:04:03)
- Analoge Technik als Teil des Selbstwertkonzepts: Stock, taktiles Leitsystem, Blindenschrift sind erlernte Fähigkeiten – die Angst, mit ihnen auch ein Stück Identität aufzugeben, ist real.
- Misstrauen gegenüber Technik: häufig begründet mit „die alten Leute können das nicht nutzen" – dem stehen Zahlen entgegen, wonach 68 Prozent der über 75-Jährigen ein mobiles Gerät benutzen.
- Schlecht gemachte digitale Lösungen: unausgereift, schlecht konzipiert, schlecht erklärt. Wilke räumt ein, dass dieser Einwand zum Teil stimmt – und dass er genau deshalb wirkt.
Symbolische Sichtbarkeit und der moralische Aspekt (00:06:55)
Das Taktile sieht man, das Digitale nicht. Bodenleitsysteme und Brailleschilder lassen sich politisch vorzeigen („Wir haben ja was gemacht"), digitale Infrastruktur nicht. Draußen spielt diese Sichtbarkeit keine Rolle – dort wird digital genutzt.
Der moralische Aspekt: Engagierte Verantwortliche sehen sich als Teil der Lösung, hinterfragen den eigenen Lösungsansatz aber nicht kritisch. Wilkes Beispiel: Wer in einem Rathaus für Barrierefreiheit zuständig ist und von jeder Zielgruppe die Normanforderungen auf den Tisch gelegt bekommt, entscheidet sich am Ende für das, was ihm selbst am sinnvollsten erscheint – meist nicht für das Effizienteste.
Und schließlich das Phänomen, Technik als Zusatz statt als Ersatz zu denken: Digitale Lösungen gelten immer als Ergänzung, dabei sind sie Infrastruktur – nur eben unsichtbar. Das Ergebnis ist ein Gegeneinander von taktil und digital, statt beides zu nutzen.
Der Kernwiderspruch: Innovation wollen, beim Alten bleiben (00:08:54)
Die doppelte Haltung: Wir wollen Innovation gefördert sehen und gleichzeitig bei den alten Systemen bleiben. Menschen halten an Kerzen fest, wenn sie nicht sicher sind, ob das Licht zuverlässig weiterfunktioniert.
Wilkes Kernsatz: Es geht nicht um Technikfeindlichkeit, sondern um einen menschlichen Reflex – wir verwechseln Vertrautheit mit Verlässlichkeit. Oder im Bild: Das Problem ist nicht das fehlende Licht, sondern das flackernde Stromnetz. Nicht der Technikmangel, sondern der Mangel an Alltagstauglichkeit – und das fehlende Vertrauen verhindert den Umstieg. Sein Alltagsbeispiel: eine Gebrauchsanweisung von 40 Seiten legt jeder weg, und dann stimmt in der Entwicklung etwas nicht.
Rollenwechsel: von der Mängelmeldung zur Mitgestaltung (00:11:37)
Der zentrale Appell: Betroffene sind im Grunde die Experten. Statt weiter zu erzählen, was alles nicht funktioniert, sollte die Energie darauf gelegt werden, zu prüfen, was es gibt, es zu verbessern und das Gelingen auch zu benennen. Wilkes Beobachtung aus sozialen Medien und Foren der Zielgruppe: überwiegend Mängel, Meldestellen und „das funktioniert nicht" – selten Lösungen. Entwicklerinnen und Entwickler seien froh über konkretes Testfeedback: Die Gebrauchsanweisung stimmt nicht, der Weg funktioniert nicht, der QR-Code funktioniert nicht richtig.
Fazit: Kerze und Licht nebeneinander (00:13:59)
„Ich bin nicht gegen Kerzen. Ich bin nur gegen die Gewohnheit, dass wir die Kerze für die Zukunft halten." Analoge Hilfen bleiben sinnvoll – aber wo digital sinnvoll und alltagstauglich möglich ist, soll das keine Ausnahme bleiben, sondern Standard werden. Und statt einen Satz mit „das geht nicht" abzubrechen, lieber fragen: Wie kann es denn gehen?
Der Schlusssatz: Wir müssen nicht nur mehr fordern, wir müssen mithelfen, den Schalter erklärbar zu machen. Wer Teilhabe will, muss Vertrauen bauen – und wer Inklusion ernst meint, darf Vertrautheit nicht mit Zukunft verwechseln.
Frage aus dem Publikum (00:16:56)
Ein blinder Ingenieur und Softwareentwickler widerspricht deutlich: Er fühle sich von dem Vortrag nicht abgeholt. Die Entscheidung, ob im Rathaus digitale Technik eingeführt wird, liege gar nicht in seiner Hand – er könne jahrelang anmahnen und über den Behindertenbeirat anschieben, entscheiden könne er es nicht. Bei KI sieht er zudem derzeit noch zu viele Nachteile für einen bedenkenlosen Einsatz; wo er Einfluss hat, will er Technik, die zuverlässig und privatsphärensensibel funktioniert.
Stefan Wilkes Antwort: Er gibt beim Einfluss auf Entscheidungsträger recht – dort komme immer das Argument Geld. Einfluss habe man aber dort, wo man eine funktionierende Lösung für sich gefunden hat: sie sichtbar machen, weitererzählen und mit Beispielen belegen, wo es bereits läuft. Sein Anliegen sei nicht das Allheilmittel, sondern der Fokuswechsel – von dem, was nicht geht, hin zu „probiert das mal aus".
Kontakt und Links
- Quickstep GmbH
- Vortragsseite: https://sightcity.net/F031007
- SightCity: https://sightcity.net
Über die SightCity
Die SightCity ist Europas größte Fachmesse für Blinden- und Sehbehinderten-Hilfsmittel. Mehr Informationen: www.sightcity.net
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E-Mail: info@sightcity.net
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Transkript
herzlich willkommen zum Mitschnitt des Forums vom 27.05.2026
Warum Licht anschalten wenn es auch Kerzen gibt
zwischen digitaler Barrierefreiheit und analoger Beharrung
Referent Stefan Wilke
viel Spaß mit dem Vortrag
ja einen wunderschönen guten Tag
ja ich danke für das Interesse für diesen etwas
abenteuerlichen Titel
warum Licht machen wenn es auch Kerzen gibt
kurz zu mir ich bin Geschäftsführer der Quickstep GmbH
wir sind hier auf der Messe in der zweiten Etage
und
das Thema beschäftigt uns sehr lange
und zwar
nicht weil wir provozieren wollen
sondern weil uns einfach die Frage beschäftigt
was hindert uns dran
wenn wir außerhalb von Gebäuden sind
Google Maps und andere Dinge zu benutzen
und innerhalb vom Gebäude in alte Muster zu verfallen
obwohl es ja auch Lösungen gibt
also welches Phänomen steckt dahinter
dass wir uns so schwer tun
das irgendwie in Einklang zu bringen
jetzt mach mal weiter Manuel bitte danke
ja
das Grundproblem ist also die Frage warum
wenn es was Neues gibt
warum bleiben wir weiter bei der Kerze ja ja
und ein Phänomen ist
dass es halt was mit Gewohnheit zu tun hat
ja ja
ja
weil wir letztendlich auf das
was wir jetzt die ganze Zeit genutzt haben
dem vertrauen wir erstmal
ja
und man grundsätzlich
Neuem erst mal ein bisschen kritisch gegenübersteht
in der Regel weil man es noch nicht ausprobiert hat
ja und
in der Forschung gibt es dazu verschiedene Phänomene ja
so hier ist jetzt diese erste Grafik
wo sie eigentlich genau sehen
okay draußen verhalten wir uns anders
als wir uns im Gebäude verhalten
ja und eines der Phänomene das dann auftritt ist
erst mal weil es neu ist es ist einfach neu kennen wir nicht
ja so ja
und das nächste Phänomen ist ja
ja wir bleiben einfach bei dem
weil wir das kennen
obwohl es einfach bessere verfügbare Geschichten gibt
und ein ganz entscheidender Punkt ist der Kontrollverlust
in dem was wir bislang gemacht haben kennen wir uns aus
also ja wir sind gewohnt
wenn wir mal was gefunden haben in Gebäuden
taktile Leitsysteme zu nutzen
wir stauben gerne
wir stauben gerne Türschilder ab um zu gucken
ob da Punktschrift hängt und
und wenn wir lebende Menschen haben fragen wir die auch ja
ja und wir tun dann so wenn wir das nicht machen
dass wir Kompetenz verlieren würden also wir
wir verlagern
das Problem oder das Phänomen auf uns selber anstatt
zu akzeptieren
okay es könnte ja eine Lösung sein oder es könnte ein Gewinn sein
ja
ja und
diese Gewohnheit sagt natürlich auch
dass wir ins Bewertungssystem kommen und sagen
okay ja das kennen wir das fühlt sich einfacher an
haben wir immer schon so gemacht
und auch wenn es wenn es nachweislich ineffizient ist
ja also ein Beispiel
wenn ich nicht weiß wo ein taktiles
System ist oder wo ich ein taktiles Modell habe
dann hilft mir das nichts
weil ich muss es ja erst mal finden
ja
okay so
ja
dann kommt die die spannende Frage
was haben wir
wenn wir das jetzt von dem allgemeinen
Phänomen auf Blindheit und Sehbehinderung übertragen
gibt es noch ein paar Phänomene
dass analoge Techniken
letztendlich
ein erlernter Teil des
Selbstwertkonzepts sind
das haben wir gelernt
wir haben auch Training in Orientierung Mobilität gehabt
wir wissen wie wir mit dem Stock umgehen
wir wissen wie wir mit dem taktilen Leitsystem umgehen
und wir wissen wie man Blindenschrift an Schildern liest
und so weiter und so fort ja
und
dann kann natürlich die Angst entstehen dass wir sagen
okay wenn ich das jetzt aufgebe
wobei die Frage ist muss ich das komplett aufgeben
ja verliere ich meine Identität
ja also wenn ich auf einmal
nur noch mit Mobilgerät oder mit digitalen Lösungen herumrenne
ja
und dann ist so eine Geschichte Misstrauen gegenüber Technik
ja also das Misstrauen äußert sich oft
ah die alten Leute können das nicht nutzen
ja wobei es Zahlen gibt dass
68 Prozent der über 75-Jährigen
mobiles Gerät benutzen
ja
und
das heißt wir reden uns ein oder suchen nach Argumenten
dass wir das letztendlich
das letztendlich wir das nicht einsetzen wollen
aber es gibt eigentlich keine faktischen Gründe
ne ja
ja und dann ist es so dass
wir denken dass barrierefreie Lösungen
was auch zum Teil stimmt
dass digitale Lösungen
letztendlich auch oft das Problem haben
dass sie schlecht konzipiert sind
ja und dass
dass sie nicht ausgereift sind
dass sie nicht richtig funktionieren
dass sie schlecht erklärt sind
ja
und dann sagen wir okay bevor ich mir jetzt hier das Theater
mache dass ich einfach
dass ich hier nicht klarkomme weil irgendwas nicht geht
bleibe ich lieber bei dem was ich habe
mach mal weiter Manuel
da sind jetzt mal die Phänomene noch mal aufgezeigt
die ich Ihnen gesagt habe
ja
und dann gibt es einen ganz entscheidenden Punkt
dass wir eine symbolische Sichtbarkeit haben
bei Blindheit und Sehbehinderung
das Taktile sieht man das Digitale sieht man nicht
ja und das wird auch politisch oft sehr
eingesetzt und sagt man
na ja wir haben ja was gemacht
hier habt ihr Linien
oder hier habt ihr Türschilder
oder hier habt ihr was anderes
ja taktile Modelle
das heißt
dieser Punkt dass es nicht sichtbar ist
sorgt auch für ne Unsicherheit
also aus politischer Perspektive oder auch aus dieser Image-
Geschichte
wobei wenn wir wieder
wenn wir wieder überlegen draußen
interessiert das überhaupt nicht
ja weil wir sie da ja nutzen
ja das heißt wenn wir in diese andere Perspektive gehen
dann kommen da ganz andere Dinge raus
dann haben wir einen moralischen Aspekt
wenn sie engagierte Leute haben
ja dann betrachten die sich als Teil der Lösung ja
also ich habe dafür gesorgt
dass hier ein taktiles Leitsystem
oder dass hier Türschilder mit Brailleschrift
angebracht worden sind
aber sie hinterfragen die Ansätze
den Lösungsansatz einfach nicht kritisch
da ist das klassische Beispiel
stellen sie sich vor
Sie wären für die Barrierefreiheit in einem Rathaus zuständig
und jede Zielgruppe
ja mobilitätseingeschränkt kognitiv eingeschränkt
visuell eingeschränkt legt Ihnen die Sachen auf den Tisch
die Sie umsetzen sollen nach der Norm
da werden Sie wahnsinnig da werden Sie keine Lösung finden
ja
und dann entscheidet er sich einfach für das
was er für
für sich am sinnvollsten hält und dann ist es meistens
nicht das effizienteste
ja ja
ja
und dann gibt es noch dieses Phänomen
dass wir immer denken Technik
wäre ein Zusatz und nicht der Ersatz
ja also digitale Lösungen
werden immer als Ergänzung betrachtet
ja aber digitale Lösung ist Infrastruktur
die man nur nicht sieht
ja das ist der Punkt also das heißt wir fangen an
die Systeme gegeneinander auszuspielen
ja
taktil gegen digital
so anstatt zu sagen okay ich kann beides nutzen
also ich kann Kerze nutzen und ich kann Licht anmachen
und habe
aber das Ziel muss sein eine digitale
Infrastruktur die funktioniert
und zwar zu jeder Zeit
mit jeder Art von Technik mit jeder Einschränkung ja
ja
okay so jetzt haben wir uns mal die Punkte angeguckt ja
warum es nicht funktioniert und jetzt ist die Frage
wie kommen wir denn an den Punkt
dass es besser werden kann
ja ja ja genau ja
das ist das Kernproblem ja
also wir haben im Endeffekt
der Kernwiderspruch im Phänomen liegt darin
wir haben eine doppelte Haltung
ja wir wollen auf der einen Seite
Innovation gefördert haben
und aber gleichzeitig
wollen wir bei alten Systemen bleiben
das ist praktisch schwierig umzusetzen
ja
und wir Menschen halten dann an Kerzen fest
wenn sie nicht sicher sind
ob das Licht auch zuverlässig weiter funktioniert
wenn Sie es jetzt wieder auf meinen Titel übertragen
und wenn Sie es dann weiterdenken dann ist nicht die Technik
also es geht hier nicht um Technikfeindlichkeit
also digitale Leitsysteme oder andere Geschichten
das wollen wir nicht oder sind doof oder die können nichts
ja zugegebenermaßen es gibt Dinge
da ist immer Luft nach oben mit der Entwicklung
aber sie gibt es
halt und wir werden es auch nicht aufhalten können
ja wie es mit den KI-Tools ja auch ist
aber es geht hier nicht um Technikfeindlichkeit sondern
diese Technikfeindlichkeit
die bremst nicht den Fortschritt
sondern wir haben diesen menschlichen Reflex
dass wir Vertrautheit und Verlässlichkeit
das verwechseln wir ja das ist
ja also das heißt übersetzt
wieder mit meinen Kerzen wer lange mit Kerzen gelebt hat
hält nicht jede Lichtquelle für eine
Verbesserung nur weil sie heller ist
da liegt dieses Kernproblem
und dieses Phänomen erleben wir in ganz vielen Bereichen
ob das jetzt
explizit Blindheit und Sehbehinderung oder andere Bereiche sind
das ist egal ja ja
also um bei der Kerze zu bleiben
das Problem ist nicht das fehlende Licht
ja das Problem ist das flackernde Stromnetz
also nicht nur der Technikmangel
sondern Mangel der Alltagstauglichkeit digitale Lösungen
funktionieren halt oft nicht richtig
und das fehlende Vertrauen verhindert den Umstieg
ja mir geht das auch so
wenn ich von meinen Mitarbeitern ein neues Tool bekomme
und ich muss lange darüber nachdenken oder wenn
wenn Sie was anderes kaufen
und Sie haben eine Gebrauchsanweisung von 40 Seiten
dann legen Sie die auch weg
tippe ich mal
ja dann stimmt in der Entwicklung irgendwas nicht
ja so
und wie kommen wir jetzt dazu
dass wir sagen wir bringen Licht
und Kerze zusammen
indem wir sagen
okay wir alle hier im Raum oder auf dieser ganzen Messe
ja wir kommen immer aus der Rolle des Betroffenen
ja aber im Grunde genommen sind wir die Experten
ja
wenn man es uns gut erklärt wenn man es uns gut erklärt
wenn man uns Lösungen
anbietet ja wir prüfen die Geschichten
also das heißt
wenn wir im ersten Schritt mal davon wegkommen
und mal aufhören zu erzählen
was alles nicht funktioniert
ja ja sondern mal die Energie darauf legen
was es eigentlich alles gibt
und das zu prüfen und das zu verbessern
ja und nicht immer nur Mängel zu melden
ja ja
und dann daran weiterzuentwickeln
und vielleicht auch mal sagen
hey das ist ja mal gelungen ja ich hätt noch die Idee ja
das heißt wir müssen uns dran beteiligen dass es besser wird
dass wir das gelingen benennen
und dass wir vor allen Dingen die Nutzbarkeit sichtbar machen
ja ja
ja überlegen Sie mal bei sich selber
wenn Sie in sozialen Medien sind in den Foren
ja ja
ich bin gleich fertig
ja ja schaff ich schaff ich ja
also noch mal fangen wir mal an
überlegen Sie mal in sozialen Medien
wenn wir in unserer Zielgruppe unterwegs sind
wie oft stoßen Sie auf Lösungen wie oft stoßen Sie nur drauf
hier gibt es einen Mangel hier gibt es eine Meldestelle
hier gibt es eine Beratungsstelle
das funktioniert nicht
das funktioniert nicht das funktioniert nicht
ja und warum drehen wir das nicht um warum
ja wir können es doch wir wissen doch was wir brauchen
wir wissen doch auch was geht
ja und die Leute die Dinge entwickeln
entweder aus der eigenen Betroffenheit oder
die einfach aus einer anderen Ecke kommen
und die können das ja also das heißt sie sind ja froh
wenn wenn wir testen
wenn wir sagen
ja in deiner Gebrauchsanweisung stimmt was nicht
der Weg funktioniert nicht richtig
oder die Information kommt nicht
oder der QR-Code funktioniert nicht richtig
ja ja
okay
also ich fasse mal zusammen
ja die Phänomene sind dass sie zum einen Teil bei uns liegen
dass sie zum anderen was mit Gewohnheit zu tun haben
dass wir letztendlich auch
auf Dinge stoßen die
die technisch nicht ganz sauber ausgearbeitet sind
dass es auch was mit Symbolcharakter zu tun hat und ja
und dass wenn wir unsere Rolle verändern
indem wir sagen okay wir hören mal auf immer
uns über die Mängel zu unterhalten
sondern wir machen aktiv mit
dann passt es und vor allen Dingen wenn wir akzeptieren
dass Kerze neben Licht immer eine Daseinsberechtigung hat
ja ja
ja und der Punkt ist dass man nicht sagen muss das geht nicht
sondern die Idee ist
dass man sagen muss das muss so sein damit es trägt
ja
damit es auch funktioniert
also nicht den Satz abbrechen das geht nicht
sondern sagen ja wie kann es denn gehen
ja
und wenn wir es nämlich verstehen
also wenn es für uns barrierefrei ist
ja dann ist es für viele andere auch barrierefrei
so jetzt habe ich noch zwei Sachen zum Schluss
bin ein wenig in die Hetze gekommen
zum Schluss möchte ich noch sagen
ich persönlich bin nicht gegen Kerzen ja
ich bin nur gegen die Gewohnheit
dass wir die Kerze für die Zukunft halten
ja ja
also das heißt bleiben sie offen bleiben sie interessiert
und sagen Sie aber auch
wenn das was man Ihnen anbietet für Sie zu kompliziert ist
aber dann sagen Sie wie Sie es gerne hätten
ja ja ja
die analogen Hilfen brauchen wir die sind auch sinnvoll
aber dort wo man digital was machen kann
weil es sinnvoll und alltagstauglich möglich ist
darf sie ruhig neben der Kerze auch
funktionieren also soll keine Ausnahme bleiben
sondern sie muss halt zum Standard werden
und diesem Standard können wir uns nicht entziehen
es funktioniert nicht
ja ja
ja
und jetzt ein Satz auch zum Schluss
wir müssen nicht nur mehr fordern
ja das ist das eine
wir müssen mithelfen den Schalter erklärbar zu machen
ja also das was wir wollen
auch erklärbar machen ja
ja wenn wir Innovation wollen dann müssen wir
den Umstieg möglich machen
wer Teilhabe will muss vertrauen bauen
und wer Inklusion Ernst meint
darf letztendlich
Vertrautheit nicht mit Zukunft verwechseln
das ist der Punkt ja danke
so ich hoffe Sie konnten mir einigermaßen folgen
ich bin ja ein wenig in Zeitdruck geraten und alles gut
darf ich noch fragen ob es Fragen gibt
ja genau hier hier gibt es eine Frage
ich gebe das Mikro mal weiter
mein Name ist Heiko ich bin betroffen
ich bin blind
und ich bin
ich fühle mich gar nicht abgeholt von Ihrem Vortrag also
ich verstehe was Sie sagen wollen
dass wir mehr auf Digitales setzen sollen
draußen wie drinnen
das ist mir alles klar
nur das liegt ja aus meiner Sicht gar nicht in unserer Hand
ich kann nicht bestimmen
dass bei uns im Rathaus
irgendwie digitale Technik eingeführt werden soll
ich kann das jahrelang anmahnen
ich kann versuchen über den Behindertenbeirat etc.
die Dinge anzuschieben aber ich kann es nicht entscheiden
das heißt ich muss mit den Sachen
zunächst leben die dort sind
und wenn es ums Thema KI geht beispielsweise für mich
ich bin auch Ingenieur und Softwareentwickler
für mich haben diese KI-Ansätze
momentan noch zu viele Nachteile
so dass ich die nicht bedenkenlos einsetzen möchte
also
gerade momentan sind mir häufig noch die analogen
sagen wir mal älteren Lösungen lieber weil bekannt
so wie sie auch gesagt haben
und ich bin gern bereit
auch an neuen Sachen mitzuarbeiten
sie können sich vorstellen
als Ingenieur will man sowieso immer
mit neuen Sachen rumspielen
aber wie gesagt
an den entscheidenden Stellen kann ich es nicht beeinflussen
und wo ich es beeinflussen kann
will ich eine Technik haben die zuverlässig und
Privatsphäre sensibel funktioniert
ja okay zu Punkt zwei
das lasse ich jetzt mal aus mit den KI-Geschichten
zu Punkt eins
wenn Sie weiterhin
Interesse haben und sich mit Lösungen auseinandersetzen
gebe ich Ihnen so weit recht
dass wir wenig Einfluss haben oder erst mal so kein
Einfluss auf Entscheidungsträger
weil ja immer das Argument
Geld oder andere Geschichten kommen
wo wir aber Einfluss haben ist
wenn Sie eine Lösung für sich gefunden haben
die funktioniert
diese laufend in die Welt zu setzen und diese auch laufend
anderen Leuten zu erzählen
und dann irgendwann auch mit anderen Beispielen
wo das schon eingesetzt wird
kann man immer wieder sagen okay hier guck da läuft es doch
also das ist der Weg den ich meine
meine Idee war jetzt nicht zu sagen
ich bin jetzt hier mit dem Allheilmittel ausgestattet
und wenn wir hier rausgehen
dann geht jedes Rathaus hin und baut seine Bude um
nein das nicht
es geht darum dass wir aus unserer eigenen Initiative raus
mit Lösungen mit denen wir gut umgehen
können und die vielleicht für andere
auch interessant sind
dass wir damit mehr also dass wir den Fokus kippen
von dem was nicht geht hin zu sagen hier probiert das mal aus
wir hoffen der Vortrag hat Ihnen gefallen
mehr Informationen finden Sie unter sightcity.net/F031007
vielen Dank und bis zur nächsten SightCity bis dann